13 FRANZISKANER 1|2026 Athanasius Spies OFM Beichte Im vergangenen Heiligen Jahr war die Marienkirche in Düsseldorf als Kirche der Franziskaner einer der Orte der Gastfreundschaft und Versöhnung im Erzbistum Köln. Wie schon zuvor stieg die Zahl derer, die kamen, um das Sakrament der Versöhnung zu empfangen, an. Das zeigt deutlich die Sehnsucht nach einer Versöhnung mit Gott und den Menschen während der Beichte oder des Beichtgesprächs – besonders dann, wenn das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe als eine Art »Beichtspiegel« dient. Dabei geht es zumeist weniger um konkrete Taten oder Unterlassungen, sondern um die Feststellung, dass sich in der Beziehung zu Gott und den Menschen etwas verändert hat – zumeist in eine gefühlt nicht gute Richtung: »Das war früher einmal anders.« Wenn es möglich ist darüber zu sprechen, zeigt sich meistens, dass die dritte Komponente des Gebotes der Gottes- und Nächstenliebe vernachlässigt wird – »wie dich selbst«. Die jeweiligen Be- und Empfindlichkeiten unseres Lebens prägen unser Verhältnis zu Gott und den Menschen oft mehr, als uns lieb und bewusst ist. Einer der wesentlichen Schritte der Versöhnung scheint also zu sein, zunächst mit sich selbst versöhnlicher umzugehen. Dies braucht Zeit. Für viele Dinge, die wir uns oft unbewusst angewöhnt haben, gilt es, sie sich nun bewusst wieder ab- oder sich umzugewöhnen. Aber wo finde ich die Kraft dazu, wer hilft mir dabei? Neben der Bitte um Vergebung geht es auch im Sakrament der Versöhnung – wie bei jedem Sakrament – um das, was wir im Glauben »Gnade« nennen. Wie oft bitten wir darum, dass Gott mit seiner Gnade das ergänzen möge, was uns in menschlicher Schwachheit fehlt. Diese Bitte beinhaltet interessanterweise zunächst keine moralische Aussage, sondern eine Feststellung: Ohne Gottes Hilfe komme ich in der einen oder anderen Angelegenheit meines Lebens nicht weiter. Es ist schön zu erleben, wenn Menschen in der Beichte einen »Perspektivwechsel« vollziehen oder zumindest erahnen. Wir sind in und durch Christus erlöste Menschen, deshalb gilt: Ich muss nicht erst (fertige) Lösungen finden, um erlöst zu werden, sondern aus der Erfahrung von Erlösung ergeben sich Lösungen – vor allem für die Beziehungen eines glaubenden Menschen zu Gott, den anderen und sich selbst. Dies darf die/der Beichtende sich im Sakrament der Versöhnung unverbrüchlich zusagen lassen. Das Zusagen-Lassen ist aus der Erfahrung gesprochen ein weiterer wesentlicher Aspekt der Beichte. Häufig sprechen Menschen davon, dass sie über das eine oder andere, was in und mit ihrem Leben nicht in Ordnung ist, schon oft und gewissenhaft nachgedacht haben. Es ist aber ein Unterschied, ob ich über etwas, das mich beschäftigt, nur nachdenke oder es auch ausspreche. Denn das gesprochene Wort ist nicht zurückzuholen. Das gilt dann auch für die menschlich vermittelte Antwort Gottes darauf in der Lossprechung. Letztlich geht es im Sakrament der Versöhnung wohl vor allem darum, mein Leben vor Gott zur Sprache zu bringen. Dazu braucht es Mut – möge das Sakrament der Versöhnung stets eine Ermutigung sein. Letztendlich ist es gut, auch den Dank nicht zu vergessen – wie es bei vielen auch geschieht. Es gibt zahlreiche Formulierungen und Anregungen dazu, die nach der Lossprechung gebetet werden können. Eine, die einer alten Tradition entstammt, bete ich gerne bewusst vor der Lossprechung: »Die Menschwerdung, das Leiden, Sterben und die Auferstehung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, die Fürsprache der Gottesmutter Maria und aller Heiligen, alles, was Sie Gutes getan und Schweres getragen haben, gereiche Ihnen zur Vergebung der Sünden, lasse die Gnade in Ihnen wachsen und schenke Ihnen Anteil am göttlichen Leben.« Athanasius Spies OFM ist Theologe und Erziehungswisssenschaftler. Er lebt seit 2014 in Düsseldorf mit den Schwerpunkten: Katechese, Begleitung in der kgi FIDES und Mitarbeit in der Citypastoral. Sakrament der Versöhnung
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