14 FRANZISKANER 1|2026 Streit und Versöhnung im Buch Genesis Bereits im ersten Buch der Bibel, im Buch Genesis (Gen), taucht der Streit als ein zentrales Motiv auf. Während die beiden Anfangskapitel des Buches mit den zwei Schöpfungserzählungen von einem harmonischen Verhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpf handeln, kommt es bereits im dritten Kapitel durch den ersten Menschen und seine Frau zu einer Störung dieser Beziehung. Das Buch Genesis folgt dabei einer bestimmten Fokussierung: Zuerst nimmt es in der Urgeschichte (Gen 1–11) die gesamte Menschheit in den Blick. Danach wird in der Erzelternerzählung (Gen 12–50) ein einzelnes Volk, das später zum Volk Israel wird, in vier Generationen näher betrachtet. Es beginnt in der ersten Generation mit Abram und Sarai bzw. Abraham und Sara. Die zweite Generation sind die Brüder Ismael und Isaak (Gen 12–26) und die dritte Generation Isaaks Söhne Esau und Jakob (Gen 27–36). Danach folgt mit der Josefsgeschichte (Gen 37–50) eine Erzählung über die vierte Generation: Josef und seine Brüder. Im Buch Genesis entstehen die Konflikte meistens zwischen Brüdern, denn hier wird die Geschichte der Menschheit als Verwandtschaftsgeschichte präsentiert. Das hebräische Wort ach meint dabei aber nicht nur den Bruder im engeren Sinn, sondern auch weiter entfernte männliche Verwandte wie Neffen und Cousins. Der erste Konflikt entsteht in der Urgeschichte zwischen den Brüdern Kain und Abel, den Söhnen von Adam und Eva (Gen 4,1–16). In der Erzelternerzählung gibt es in jeder Generation einen Streit: zwischen Abram und seinem Neffen Lot Ausschnitt aus der Pax-Christi-Ikone zum Thema »Versöhnung in der Bibel«. Sie zeigt die versöhnende Begegnung zwischen Esau und Jakob. Darunter ist der Schriftzug »Christus ist unsere Versöhnung« zu sehen. ikone : © pax christi international
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