16 FRANZISKANER 1|2026 Versöhnung bei Franziskus Der Begriff Versöhnung scheint nicht zum Wortschatz von Franziskus gehört zu haben. Man sucht ihn in seinen Schriften vergeblich. Das ist erstaunlich bei einem Mann, der so sehr mit Frieden und Versöhnung in Verbindung gebracht wird wie der Heilige aus Assisi. Bei genauerem Hinsehen findet man jedoch eine ganze Reihe von Haltungen, also Einstellungen und Verhaltensweisen, die eine Voraussetzung für Versöhnung darstellen, und Begebenheiten, bei denen diese Haltungen zum Tragen kommen. Poggio Bustone: Frieden mit der eigenen Geschichte Wenige Jahre nach seiner Bekehrung wandert Franziskus mit den ersten Brüdern Richtung Süden. Sie helfen den Bauern auf den Feldern und sind mit wenigen Lebensmitteln als Lohn zufrieden. Bald eilt ihnen deshalb ein guter Ruf voraus. In einem kleinen Ort im Rietital, Poggio Bustone, werden sie von den Bewohnerinnen und Bewohnern freudig empfangen. Franziskus trägt zu dieser Zeit immer noch Schuldgefühle aus seinem früheren Leben mit sich herum. Schließlich war Franziskus am Bürgerkrieg in Assisi beteiligt und dabei vermutlich auch in Kampfhandlungen verwickelt. Das hinterließ Spuren. In Poggio Bustone zieht er sich in die Einsamkeit zurück und ringt im Gebet darum, ob Gott ihm wirklich vergeben hat und ob sein neuer Lebensweg richtig ist. Was daraufhin geschieht, schildert sein Biograf Thomas von Celano folgendermaßen: Elisabeth Bäbler OSF franziskus und wolf : © uta poss – picture-alliance.com
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