Franziskaner - Frühling 2025

33 FRANZISKANER 1|2026 Thomas Kleinveld Klimakollaps zu vermeiden, muss die Welt daher aufhören, fossile Brennstoffe zu nutzen, und auf erneuerbare Energien setzen. Die UN-Klimapolitik spricht hier von einer »Just Transition«, also einem »gerechten Übergang«, bei dem die ökologischen Notwendigkeiten mit sozialer Gerechtigkeit verbunden werden. In der internationalen Politik wird jedoch nach wie vor nur auf den technischen Wandel der Energiesysteme geblickt. »Wenn die Natur mit Füßen getreten und ausgebeutet wird, wer ist davon betroffen? Es sind die Armen, es sind die kleinen Leute, die leiden, wenn der Schwerpunkt auf großen Unternehmen liegt, denen es nur um Gewinne geht«, sagt Bruder Jose. »Die Kirche steht nahe bei diesen Menschen. Vor allem die Franziskaner. Wenn es die Aufgabe der Kirche ist, sich um jeden Einzelnen zu kümmern – insbesondere um die kleinen Leute –, dann müssen wir uns auch um die Umwelt kümmern, denn das geht Hand in Hand.« Weltweit gibt es Gemeinden wie Santa Clara. Im Amazonas-Regenwald werden indigene Völker vertrieben, um Platz für Wasserkraftprojekte zu schaffen. In den Dschungeln der Demokratischen Republik Kongo schürt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt und seltene Erden Konflikte und Ausbeutung. Zunehmend ist von »grünem Kolonialismus« die Rede, bei dem arme und marginalisierte Gemeinschaften erneut den Preis zahlen, während sich reichere Nationen an die Klimakrise anpassen. Für die Franziskaner, die diesen Gemeinschaften dienen, wirft dies eine zentrale Frage auf: Wie können wir die Würde der Menschen mit dem Streben nach einer Wirtschaft ohne fossile Brennstoffe in Einklang bringen? Im Vorfeld der jüngsten UN-Klimakonferenz (COP30), die im vergangenen November in Brasilien stattfand, hat sich Franciscans International mit dem Lutherischen Weltbund zusammengetan. Gemeinsam wollen sie auf die tiefe Verwurzelung von Menschen wie Bruder Jose in den betroffenen Gemeinden bauen. Nach Gesprächen mit religiösen Organisationen weltweit zeigte sich ganz deutlich: Allzu oft sind Projekte zur Energiewende gewinnorientiert und wenig transparent. Da sie die lokale Situation außer Acht lassen, verstärken sie letztlich die Ungleichheit, anstatt die Menschen zu stärken. Basierend auf diesen Erfahrungen stellten die Franziskaner einen neuen Bericht auf der COP30 vor. In dem Jahr, in dem sowohl der 800. Jahrestag des Sonnengesangs als auch der zehnte Jahrestag von Laudato si’ begangen wurde, entsandten sie hierfür eine große Delegation von mehr als 20 Brüdern und Schwestern zur Weltklimakonferenz. Ihr Bericht bietet eine glaubensbasierte Perspektive auf den gerechten Übergang und argumentiert, dass es sich dabei nicht nur um eine technische Diskussion handeln sollte. Stattdessen solle ein umfassender Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft stattfinden, der das Wohlergehen der Menschen und des Planeten in den Mittelpunkt stellt. Auf der Grundlage der Erfahrungen lokaler Gemeinschaften skizzierten sie, wie ein Umdenken in Bezug auf unsere Energiesysteme auch eine Chance sein kann, eine gerechtere, verantwortungsbewusstere und demokratischere Gesellschaft aufzubauen. Auch wenn Berichte wie diese nicht alle Antworten liefern, sind sie dennoch wichtig: Sie geben den lokalen Gemeinschaften eine Stimme, konfrontieren Entscheidungsträger mit den tatsächlichen Auswirkungen der von ihnen entworfenen Politik und drängen sie zu mehr Ehrgeiz. Auch wenn dies langsame Prozesse sind, inspirieren die Bemühungen der Franziskaner zu schrittweisen Veränderungen. Unter dem Druck der Ölförderländer scheuten die Staats- und Regierungschefs der Welt auf der COP30 davor zurück, sich zu einer vollständigen Abschaffung fossiler Brennstoffe zu verpflichten. Sie haben jedoch einen neuen Mechanismus für einen gerechten Übergang geschaffen. Sein Schwerpunkt – die Achtung der Menschenrechte und Arbeitsrechte, der Schutz indigener Völker und die Förderung einer nachhaltigen Umwelt – steht ganz im Einklang mit der Botschaft der Franziskaner auf der COP30. Es ist ein weiterer Schritt, wenn auch ein kleiner, zur Beantwortung der grundlegenden Frage unserer Zeit: Wie können wir unser modernes Leben mit den Grenzen der uns umgebenden Natur in Einklang bringen? Für die Franziskaner bei den Vereinten Nationen steht fest, dass die Würde des Menschen und die Sorge um die Schöpfung die Grundlage der Antwort bilden müssen.

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