35 FRANZISKANER 1|2026 Franziskanische Lebensgeschichten Wie sie wurden, was sie sind … Die Reihe zu franziskanischen Berufungs- und Lebensgeschichten ist als Audio- Podcasts verfügbar. Auf vielen bekannten Podcast-Plattformen wie Spotify oder iTunes und auf ▶▶ www.franziskaner.de sind die fünf bis neun Minuten dauernden Audio-Tracks erhältlich. Wir freuen uns über Likes und Kommentare! Die drei Ordensgelübde, die sie als Schwester lebt, nämlich Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, hat sie dabei nie als Last empfunden. Im Gegenteil, sie sind ihr eine Hilfe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bescheiden war sie schon immer, viel Eigentum braucht sie nicht. Dafür sind für sie Beziehungen zu anderen Menschen unglaublich wertvoll. Sie pflegt sie und erlebt sie als erfüllend. Den Wunsch nach einer eigenen Familie mit eigenen Kindern hat sie nie verspürt. Am kompliziertesten findet sie den Gehorsam – einfach deshalb, weil man Gehorsam als positives Wort überhaupt nicht kennt. Schwester Jakoba (Jahrgang 1996) ist heute 29 Jahre alt und lebt unter der Woche in Bonn und am Wochenende und den vorlesungsfreien Zeiten im Mutterhaus der Olper Franziskanerinnen in Olpe. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität und schreibt an ihrer Doktorarbeit über den heiligen Franziskus. Gerne möchte sie in der Wissenschaft und Lehre tätig bleiben. Der nächsten Generation den wissenschaftlich verantworteten Glauben zu vermitteln, ist ihr ein Herzensanliegen, denn es braucht Menschen, die verlässlich und mit transparenten ethischen Standards Wissen erzeugen und vermitteln – besonders auch in der Theologie. Ihre Olper Schwestern unterstützen sie dabei und lassen sie ihren Weg entdecken. Das Besondere dabei: Jakoba lebt in ihrem Konvent mit Schwester Bettina zusammen. Als Jakoba drei Jahre alt war, war Sr. Bettina ihre Kindergärtnerin in ihrer Heimatgemeinde! Es scheint fast, als hätten die Olper Franziskanerinnen schon immer eine behütende Rolle in ihrem Leben gespielt. Aber nein, eine Berufung ist einem weder in die Wiege gelegt, noch gewinnt man sie in der Lotterie. Aber sie ist da, wenn man mit wachen Augen und offenem Herzen Ausschau hält und bereit ist, die Tür zu entdecken. Natanael Ganter OFM aufrechterhielt, war das nicht der treibende Grund. Sie besuchte hier und da Veranstaltungen und Seminare der Gemeinschaft oder verbrachte ein Wochenende bei den Schwestern. Und dann noch eins. Und nach drei Wochen wieder – weil sie sich bei und mit den Schwestern wohlfühlte. Ohne sich darüber hinaus jemals selbst zu fragen: »Warum mache ich das eigentlich?« Sie spürte nur, dass sie gerne im Kloster war: Das Gebet tat ihr gut, sie fiel keinem zur Last, und die Schwestern freuten sich, wenn sie da war. Jakoba beendete die Schule und begann ein Studium: Theologie. Gott und Glaube faszinierten sie, und sie wollte dies tiefer verstehen. Ihr Berufsziel war Pastoralreferentin. Für ein Auslandssemester ging sie dann nach Jerusalem und lebte dort an der Dormitio- Abtei bei den deutschsprachigen Benediktinern. Mit dabei ein Brief ihrer Olper Schwestern: »Wir denken an dich, hab eine gute Zeit.« Hier erlebte sie dann das Gebet der Gemeinschaft noch einmal neu. Nicht nur für ein Wochenende, sondern durchgehend für neun Monate. Sie hatte sich bewusst darauf eingelassen, um zu sehen, wie schnell sie dessen überdrüssig würde. Doch das wurde sie nicht, im Gegenteil, es tat ihr gut. In Jerusalem hatte sie dann auch zum ersten Mal Kommilitonen gegenüber den Gedanken geäußert: »Ich könnte mir vorstellen, ein religiöses Leben zu führen.« Die befürchtete negative Reaktion blieb jedoch aus. Kein erschrockenes »Sag mal, spinnst du?!«, sondern einfach nur »Cool, mach!«. Ohne dass sie es selbst bewusst wahrnahm, hatte sich schon längst vor ihr eine Tür geöffnet. Niemand schubste sie hinein, niemand lockte sie, niemand versuchte sie zu überreden. Die Tür war einfach da und offen. Es war an ihr, die Tür zu entdecken und hindurchzugehen. Als sie zurück in Deutschland den Schwestern in Olpe von ihrem Wunsch, Schwester zu werden, erzählte, waren diese nicht überrascht. Hatten sie doch ihren Glauben und ihr Interesse über die Jahre miterlebt. Die Schwestern hatten sie aber nie gedrängt oder in eine Richtung gestoßen, sondern sie einfach nur begleitet. Im Herbst 2019 begann Jakoba dann ihre Ordensausbildung bei den Franziskanerinnen in Olpe. Sie konnte ihr Studium weiterführen, lebte unter der Woche in Bonn und an den Wochenenden im Ausbildungskonvent in Olpe. Den Corona-Lockdown durfte sie im Kloster miterleben. Im Noviziat lernte sie später bei einer gemeinsamen Zeit in Luxemburg auch andere junge Novizinnen aus dem deutschsprachigen Raum kennen. Es tat ihr gut, sich mit ihnen auszutauschen und zu sehen, dass sie nicht die Einzige war, die diesen Weg, diese Tür in ein religiöses Leben als Franziskanerin entdeckt hatte. Eine jede brachte ihre ganz eigene Berufungsgeschichte mit.
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