Franziskaner - Frühling 2025

36 FRANZISKANER 1|2026 Ein Ort zum Lernen Die ersten Franziskaner, die 1918 ihre Wohnbaracken in Holzhausen-Ohrbeck bei Osnabrück errichten, kommen mit einem klaren Auftrag: Bildung für die ländliche Bevölkerung. Und noch bevor ihre Kirche und ihr Konvent fertig sind, steht 1926 das Exerzitienhaus der Franziskaner. 2026 feiert das seit 1971 als »Haus Ohrbeck« arbeitende Bildungshaus sein hundertjähriges Jubiläum. Hundert Jahre! Das ist natürlich Anlass für eine große Feier – und für zwei Fragen: Warum gibt es Haus Ohrbeck? Und: Warum gibt es Haus Ohrbeck bis heute? Bildung für die ländliche Bevölkerung: ein Exerzitienhaus »in den Rüben« Bis in die 1960er-Jahre unterrichten die Franziskaner hier nicht nur Priester und Ordensleute des Bistums Osnabrück, sondern vor allen Dingen die Menschen aus der Umgebung. Großformatige Bücher mit Aufschriften wie »Exerzitienkurse« oder »Aufnahme-Buch« dokumentieren das: Ehevorbereitungskurse und religiöse Orientierungstage füllen die Seiten. Akribisch erfasste Personalien zeigen, wie weit in die Bevölkerung hinein diese Bildungsinitiative der Franziskaner reichte: Verzeichnet sind Tischler, Landwirte, Hausfrauen, Müller, Näherinnen und Schneider, Postfacharbeiter, Straßenwärter, Zimmerer, Pförtner, Schlosser und viele mehr. Schnell entsteht eine Beziehung zu den Franziskanern, wie an der im Volksmund lange geläufigen – und liebevoll gemeinten – Bezeichnung »St. Peter in den Rüben« abzulesen ist: Kirche, Exerzitienhaus und Konvent der Franziskaner liegen anfangs buchstäblich auf der grünen Wiese, umgeben von (Rüben-)Feldern und Ackerland. Der Mensch steht im Mittelpunkt: Aus dem Exerzitienhaus wird Haus Ohrbeck Im Laufe der 1960er-Jahre verändert sich die Gesellschaft stark, die Menschen entdecken andere Interessen. Aktuelle Themen – politische, soziale, gesellschaftliche – stehen im Mittelpunkt ihres Lebens. Und die Franziskaner reagieren: Sie gehen mit den Menschen und ihren Bedürfnissen. Sie entschließen sich zu einer grundlegenden Neuausrichtung und öffnen das Haus ab 1971 bewusst für Veranstaltungen zu den Themen, die die Menschen in ihrem Lebensalltag beschäftigen. In beeindruckender Weise zeigt dieser Schritt, wie sehr der franziskanische Grundgedanke »Im Mittelpunkt steht der Mensch« gelebt wird. Und verblüffend: In den Programmheften Die beiden Franziskaner, die hier in dieser unwirtlichen Umgebung stehen, gehören wahrscheinlich zu den ersten Brüdern, die um 1918 hierher kamen Die heutige Gesamtansicht: Links der Konvent der Franziskaner mit Kloster- und Pfarrkirche, rechts Haus Ohrbeck von 1972/73 liest man Veranstaltungstitel, die unerwartet vertraut klingen und – in zeitgemäßerem Vokabular – auch im heutigen Programm von Haus Ohrbeck erscheinen: Mutter erzieht alleine – Wochenende für alleinstehende Mütter; Auffällige Kinder: Erziehungsschwierigkeiten und ihre Überwindung; Methoden der historische aufnahme und luftaufnahme : © haus ohrbeck – katholische bildungsstätte

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