Franziskaner - Frühling 2025

38 FRANZISKANER 1|2026 Abschlussbericht zu sexualisierter Gewalt Im Januar 2024 haben wir die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Deutsche Franziskanerprovinz das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München mit einer unabhängigen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt beauftragt hat. Der Abschlussbericht dieser Studie liegt nun vor und wurde im Rahmen einer Pressekonferenz am 25. Februar 2026 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Bericht kann auf der Website des IPP (ipp-muenchen.de) eingesehen werden. Die Stellungnahme unserer Provinzleitung finden Sie auf unserer Website: ▶▶ www.franziskaner.de Wir möchten allen herzlich danken, die sich als Betroffene oder Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gemeldet haben und dem IPP als Interviewpartner:innen zur Verfügung standen. Dies hat es ermöglicht, nicht nur ein quantitatives Bild vom Ausmaß sexualisierter Gewalt in unserer Ordensgemeinschaft zu gewinnen, sondern auch eine Einordnung in die jeweiligen Strukturen und Zeitkontexte, beispielsweise in die pädagogischen Bereiche unserer Internate und Schulen. Zeitlich gesehen betrifft der Großteil der rund hundert eingegangenen Meldungen die 1950er- bis 1980er-Jahre. Als Ordensgemeinschaft stellen wir uns der dunklen Seite unserer Geschichte und übernehmen die Verantwortung für das erlittene Unrecht. In den vergangenen Jahren sind wir mit vielen Betroffenen in Kontakt gekommen und haben dadurch ein besseres Verständnis für ihre Situation und ihre Bedürfnisse gewonnen. Im Austausch mit ihnen möchten wir eine Gedenkkultur und Formate des Erinnerns entwickeln. Wir haben uns dem Verfahren zur Anerkennung des Leids, dem sogenannten UKA-Verfahren (Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen), angeschlossen und die von der Kommission festgelegten Beträge an die Betroffenen gezahlt. Uns ist bewusst, dass es keine Wiedergutmachung – schon gar nicht mit Geld – für das erlittene oft lebenslange Leid geben kann. Ähnlich wie es die zahlreichen Studien der Bistümer aufgezeigt haben, galt auch bei uns der Blick im Wesentlichen den Tätern und nicht den Betroffenen. Hier sind nicht nur die Täter schuldig geworden, sondern ebenso die Leitungsverantwortlichen unserer Provinzen und wir Brüder insgesamt, die das Phänomen der sexualisierten Gewalt unzureichend bis gar nicht wahrgenommen haben. Wir bitten alle Betroffenen um Vergebung für das, was ihnen an sexualisierter Gewalt, aber auch an spirituellem Missbrauch angetan wurde – im Wissen darum, dass wir dies nicht erwarten dürfen. Unser Ziel ist es heute, aus der Vergangenheit zu lernen und durch ein umfassendes Präventionskonzept und institutionalisierte Schutzkonzepte in unseren Konventen, Einrichtungen und Werken für möglichst sichere Orte zu sorgen, in denen alle vor sexualisierter Gewalt geschützt sind. Ansprechpartner der Deutschen Franziskanerprovinz zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich bitte an den Provinzbeauftragten für die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Deutschen Franziskanerprovinz: Bruder Stefan Federbusch, St.-Anna-Straße 19, 80538 München, Tel.: 0 89 2 11 26-1 62; E-Mail: provinzialvikar@franziskaner.de Ansprechpersonen für Betroffene sexualisierter Gewalt Wenn Sie als Betroffene/-r Kontakt aufnehmen möchten, können Sie sich an die Beauftragten der Deutschen Franziskanerprovinz wenden: Dr. Martin Miebach, Rechtsanwalt, Tengstr. 27, 80798 München; Tel.: 0 89 95 45 37-1 30; E-Mail: miebach@blaum.de Maria Heun, Dipl.-Theologin und Pastoralpsychologin, Essen; Tel.: 01 73 2 36 54 70; E-Mail: info@beratung-heun.de Stefan Federbusch OFM

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