Franziskaner - Sommer 2025

10 FRANZISKANER 2|2026 Künstliche Intelligenz und … Energie Da man die Leistung der Rechenzentren nicht direkt der KI zuordnen kann, kann man sich dem Energieverbrauch künstlicher Intelligenz nur annähern. Laut einer Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) haben im Jahr 2024 die Rechenzentren weltweit rund 415 Terawattstunden (TWh) benötigt. Das entsprach 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Die IEA schätzt, dass in etwa 15 Prozent davon auf KI entfielen. Durch die zunehmende Verbreitung von KI wird sich dieser Energiehunger in den nächsten Jahren aber steigern: Die IEA schätzt, dass – je nach Szenario – im Jahr 2030 zwischen 600 und 1.500 TWh in künstliche Intelligenz fließen werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 hatte Deutschland laut Statista insgesamt einen Energieverbrauch von 464 TWh. KI nicht einsetzen sollte: »Wir müssen uns darin schulen, auf KI zu verzichten, und wir müssen unsere Jugend vor der Verheißung der perfekten Maschine schützen, vor jener subtilen Verführung, die das menschliche Denken gerade dann nutzlos erscheinen lässt, wenn es am notwendigsten ist.« Dabei hat Papst Leo allerdings mehr im Blick als nur die Einführung eines Unterrichtsfaches »KI«. Er hält eine grundlegende Schulreform für notwendig, die von den Lehrplänen über die Benotung bis hin zur Rolle des Lehrers alles kritisch überprüfen soll. KI verändert Arbeit Auch dem Thema Arbeit widmet sich Leo XIV. in der Enzyklika ausführlich. Er sieht sie nicht nur als Mittel, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, sondern auch als Ausdruck der Würde des Menschen. Denn »da wir nach dem Bild des Schöpfers geschaffen sind, setzen wir durch unsere Werke in gewisser Weise sein Werk fort«. Diese Würde sieht er allerdings gefährdet: Denn auch wenn KI, Robotik und Automatisierung eine Verbesserung der Arbeitswelt versprechen, sieht Papst Leo vor allem ein Diktat der Technologie, das den Menschen zur Anpassung zwingt. So werden »Arbeitnehmer dequalifiziert, einer automatisierten Überwachung unterworfen und auf starre und sich wiederholende Aufgaben festgelegt«. Daher sei es nötig, sich auf den Menschen zu konzentrieren anstatt auf Leistung und Produktivität. Dies gilt um so mehr, da viele Arbeitsplätze durch Automatisierung wegfallen werden. Hier befürchtet Papst Leo einen »Dominoeffekt, der Familien, junge Menschen und die lokale Wirtschaft tiefgreifend beeinträchtigt« und zu »neuen Formen der Prekarität und Ungleichheit« führt. Daher müsse »der Schutz der Arbeitsplätze und die unersetzliche Rolle des Menschen die allgemeine Regel bleiben«. Besonderes Augenmerk legt er hier auch auf eine sich vertiefende globale Ungleichheit: Während wohlhabende Gesellschaften schnell automatisieren, erwartet er, dass weite Teile der Welt in hybriden Wirtschaftssystemen gefangen bleiben, in denen prekäre Arbeitsverhältnisse zur Regel werden. All dies führe letztlich zu einem Paradox, in dem materieller Fortschritt einen Rückschritt für die Menschen bedeutet, wodurch letztlich auch der soziale Frieden verloren geht. Um dem entgegenzutreten, erwartet Papst Leo nicht nur, dass Politik, Gewerkschaften, Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam Regeln und Schutzmaßnahmen ausarbeiten. Er fordert, den Wandel zu gestalten, also nicht nur auf Veränderungen zu reagieren. So soll etwa »jede Einführung von Automatisierung und KI mit überprüfbaren Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigung, zur Umschulung der Arbeitnehmer und zur Gewährleistung ihrer Mitbestimmung einhergehen«. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Technologie den Bedürfnissen der Menschen entspricht und sie nicht ausgrenzt. Mit Blick auf die digitale Wirtschaft selbst warnt Papst Leo zudem vor einer »neuen Form der Sklaverei«. Dabei hat er vor allem diejenigen im Blick, die für oder mit der KI-Industrie arbeiten. Dazu gehören unter anderem die sogenannten Clickworker, die für Datenaufbereitung oder Modelltraining zuständig sind. Er erwähnt hier zudem die Moderation von sozialen Medien, bei der Menschen auch die schlimmsten vorstellbaren Inhalte zu sehen bekommen. Zu diesen Mindestlohnarbeitern kommen diejenigen hinzu, die unter gefährlichen Bedingungen die für die Hardware notwendigen Rohstoffe abbauen – in einigen Regionen der Welt Kinder und Jugendliche. Und Kriminelle nutzen die neuen Technologien unter anderem für Menschenhandel. Leo XIV verurteilt all dies scharf: »Wenn eine Technologie Emanzipation verspricht, aber weltweit neue Formen der Unterordnung hervorbringt, dann widerspricht sie dem Grundprinzip der Menschenwürde.« Um dies zu bekämpfen, fordert er daher transparente Lieferketten, sodass Ausbeutung sichtbar wird und keinen Wettbewerbsvorteil mehr bieten kann. Zudem müssen Unternehmen und Investoren Arbeitnehmerschutz, die Bekämpfung von Zwangsarbeit sowie die sozialen Auswirkungen ihrer Technologien zu ihren Prioritäten machen. »Wenn man zur Vorsicht, zu strengen Kontrollen und manchmal auch zu einer Verlangsamung bei der Einführung der KI aufruft, bedeutet das nicht, gegen den Fortschritt zu sein, sondern eine verantwortungsvolle Sorge um die Menschheitsfamilie zu zeigen.«

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