Sommer 2026 | Der franziskanische Wegbegleiter Hohelied 3,1–5 Des Nachts auf meinem Lager suchte ich ihn, / den meine Seele liebt. / Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, / die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Mich fanden die Wächter / bei ihrer Runde durch die Stadt. Habt ihr ihn gesehen, / den meine Seele liebt? Kaum war ich an ihnen vorüber, / fand ich ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, / bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, / in die Kammer derer, die mich geboren hat. Bei den Gazellen und Hinden der Flur / beschwöre ich euch, Jerusalems Töchter: Stört die Liebe nicht auf, / weckt sie nicht, / bis es ihr selbst gefällt! SCHULAMMITH Schulammith ist die geheimnisvolle Hauptfigur des Hohelieds der Liebe, jenes poetischen Buches voller Sehnsucht, Schönheit und Leidenschaft. Anders als viele andere Frauen der Bibel begegnet sie uns nicht in einer dramatischen Rettungsgeschichte, sondern in Liedern der Liebe. Sie spricht, sucht, sehnt sich und findet. Ihre Stimme ist stark, lebendig und unverwechselbar. Im Mittelpunkt steht die Liebe zwischen ihr und ihrem Geliebten – eine Liebe, die nach Nähe verlangt, Trennung erträgt und Wiederbegegnung feiert. Schulammith versteckt ihre Gefühle nicht. Sie spricht offen von ihrer Sehnsucht, von ihrer Schönheit und von ihrer Freude. Damit wird sie zu einer außergewöhnlichen Gestalt in der biblischen Literatur. Ihre Liebe ist zärtlich und zugleich kraftvoll: »Stark wie der Tod ist die Liebe.« Das Hohelied lädt dazu ein, Liebe als göttliches Geschenk zu betrachten – sinnlich, tief und heilig. Schulammith erinnert daran, dass Liebe nicht Besitz bedeutet, sondern Hingabe, Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung. Ihre Worte klingen wie Musik durch die Jahrhunderte. Gott der Liebe, du hast unsere Herzen geschaffen für Sehnsucht, Begegnung und Hingabe. Lehre mich zu lieben wie Schulammith: mit offenem Herzen, mit mutiger Zärtlichkeit, mit Treue, die Bestand hat. Bewahre in mir die Fähigkeit zu staunen, zu warten, zu hoffen und mich zu verschenken. Lass deine Liebe in mir wohnen, damit mein Leben selbst zu einem Lied wird, das von dir erzählt. SCHULAMMITH : © akg images – picture-alliance.com Die Stimme der Liebe
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