Franziskaner - Sommer 2025

33 FRANZISKANER 2|2026 Thomas Kleinveld Versuche, diese Probleme zu melden, stoßen auf große Hindernisse. Zum einen hat die Gesetzgebung an vielen Orten noch nicht mit der neuen Realität Schritt gehalten. Gleichzeitig reagieren die Social-Media-Giganten nur zögerlich und sind schwer zu erreichen – manchmal ist bereits die Sprache ein Hindernis. Doch selbst wenn eine Beschwerde eingereicht werden kann, hat sie oft nur sehr geringe Wirkung. In einem aufsehenerregenden Fall weigerte sich Meta – das Unternehmen hinter Facebook und Instagram – ein KI-generiertes Bild einer prominenten peruanischen Aktivistin mit blutverschmiertem Gesicht zu entfernen. Das Unternehmen wertete die Darstellung als »politische Metapher«. Tatsächlich handelte es sich aber um eine verschlüsselte Drohung. Erst nachdem eine internationale juristische Nichtregierungsorganisation eingeschritten war, ordnete Metas Aufsichtsgremium die Löschung des Beitrags an. Da laut UN Women jede vierte Menschenrechtsaktivistin und Journalistin bereits KI-gestützte digitale Anfeindungen erlebt hat, gewinnt dieses Thema zunehmend an Dringlichkeit. Die Folgen solcher Einschüchterungsversuche zeichnen sich bereits ab. Immer häufiger berichten Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten von Selbstzensur, um online nicht aufzufallen. Dies untergräbt nicht nur ihre Aktivitäten und die Arbeit unabhängiger Medien – es schränkt langfristig auch den freien Fluss und die Vielfalt von Informationen und Ideen ein, die für gesunde und dynamische Gesellschaften unverzichtbar sind. »Monatelang wurde ich nicht durch das Gesetz, sondern durch Angst zum Schweigen gebracht«, erinnert sich Bruder Angelito. »Ich habe Familienfeiern verpasst. Ich habe Beerdigungen verpasst. Ich habe Weihnachten verpasst. Ich habe das ganz normale tägliche Gemeinschaftsleben verpasst – genau jenes Leben, das mich als Ordensbruder und als Filipino geprägt hat.« Sein Schweigen ist nun vorbei. Im Juni 2025 ergriff Bruder Angelito erneut das Wort vor den Vereinten Nationen, als er im Rahmen einer Veranstaltung gemeinsam mit dem UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit über seine Erfahrungen sprach. Gemeinsam suchten sie nach möglichen Lösungen wie einem besseren rechtlichen Schutz für Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten und strengere Vorschriften für große Technologieunternehmen. Es mag keine eindeutigen Antworten geben, doch mit der Verbreitung von KI werden die Fragen immer dringlicher. Nur so viel ist klar: Um Lösungen zu finden, müssen Aktivistinnen und Aktivisten ihre Stimme erheben. »Im Januar 2025 kehrte ich auf die Philippinen zurück. Ich nahm meine Arbeit wieder auf, wohl wissend, dass die Drohungen erneut aufkommen könnten«, sagt Bruder Angelito. »Aber ich kehrte auch mit der Entschlossenheit zurück, dass Schweigen keine Option ist. Das Recht, zu sprechen, zu dienen, solidarisch zu sein – unsere Meinungsfreiheit –, darf niemals der Angst geopfert werden.« Bruder Angelito Cortez mit Irene Khan, UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit, und Gyan Kothari von Franciscans International (v. r.).

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