Franziskaner - Sommer 2025

34 FRANZISKANER 2|2026 Franziskanerbruder Natanael Ganter lebt dort, wo Einfachheit und gelebter Glaube zum Alltag gehören: im Franziskanerkloster St. Anna in München. Zwischen Gebet, Arbeit und Begegnung mit Menschen spricht er über das, was den Franziskanerorden seit Jahrhunderten prägt – Bescheidenheit, Gemeinschaft und Nähe zu den Ausgegrenzten. Im Interview erzählt er von seinem Weg in den Orden, der Suche nach Sinn in einer lauten Welt und darüber, warum Einfachheit für ihn die größte Freiheit bedeutet. einen BMW anstelle meines Golfs; eine höhere Position auf der Karriereleiter; eine größere Wohnung. Das hat mich alles ziemlich kalt gelassen. Am Anfang dachte ich, mit mir würde etwas nicht stimmen. Dann kam mir aber die Erkenntnis, dass es mir einfach guttut, weniger zu haben. Also habe ich meine individuell eingerichtete Zweizimmerwohnung gegen ein möbliertes Einzimmerapartment getauscht und meine ganzen Möbel verschenkt. Dann bin ich auf die Biografie des heiligen Franziskus gestoßen. Da habe ich gemerkt: Dieser Heilige von vor 800 Jahren hat eine Antwort auf meine Krise von heute. »Es tat mir einfach gut, weniger zu haben« Die Geschichte von Bruder Natanael Ganter Sie hatten eine erfolgreiche Karriere im Marketing und haben in leitender Funktion gearbeitet. Was hat Sie dazu bewegt, diesen Weg zu verlassen und ins Kloster zu gehen? Bei mir war es die Entdeckung, dass weniger für mich mehr bedeutet – also in Beruf, Karriere, Wohnung, Auto, Partnerschaft. Irgendwann, so mit Ende 20, stand ich an dem Punkt, wo ich dachte: Wie geht es jetzt weiter? Und ich habe gemerkt: Ich möchte gar nicht MEHR haben, sondern alles, was ich erreicht habe, wird mir zur Last. Wie haben Sie damals gelebt? Ich hatte ein Auto, ich hatte eine Wohnung, und ich hatte eine Karriere. Aber mir fehlte die Antriebskraft, mehr zu wollen:

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