Franziskaner - Sommer 2025

36 FRANZISKANER 2|2026 Maximilian Feigl Zwischen Deutschland und Vietnam Ein franziskanischer Grenzgänger Es war im November 2025, als Chi Thien offiziell die Seelsorge für die vietnamesischen Katholiken im Bistum übernahm. Die entsprechenden Gemeinden kannte er zu diesem Zeitpunkt bereits gut, nicht nur weil er dort schon länger aushalf und seinen Vorgänger unterstützte. Chi Thien stammt selbst aus Vietnam, er war acht Jahre alt, als seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern aus dem Land flohen und durch das Engagement der »Cap Anamur« nach Deutschland kamen. Er lernte Deutsch, machte Abitur in Bayern und studierte Theologie in Münster. 2002 wurde er dann Franziskaner. Dabei war es ihm immer wichtig, Kontakt zu den vietnamesischen Gemeinden zu halten, egal wo in Deutschland er gerade war. Die Position, die er im Bistum antrat, ist als 50-Prozent-Stelle angelegt. Denn daneben hat Chi Thien weiterhin Verpflichtungen für deutsche Gemeinden, die er vom Franziskanerkloster in Dortmund aus betreut. Und auch im benachbarten Bistum Essen ist er für vietnamesische Gemeinden tätig und feiert dort Gottesdienst. So kommt er auf insgesamt neun vietnamesischsprachige Gemeinden, in denen er regelmäßig seiner Arbeit als Seelsorger nachgeht. Planung ist dabei alles: Zu Beginn des Jahres erstellte Chi Thien mit den Gemeindeleiterinnen einen Jahreskalender mit einer Übersicht, wann er wo Gottesdienst feiern wird. Das ist nicht nur notwendig, Bruder Chi Thien Vu war schon immer ein Grenzgänger zwischen zwei sehr unterschiedlichen Kulturen. Doch was einmal als persönliche Reise begann, ist inzwischen Teil seiner täglichen Aufgaben. Denn er ist zuständig für mehrere Gemeinden vietnamesischer Katholiken im Erzbistum Paderborn. Darüber hinaus betreut er vietnamesische Katholiken im Bistum Essen, organisiert die bundesweite Jugendarbeit und feiert die Messe mit deutschen Gemeinden. Tätigkeiten, die ihm viel Freude bereiten – aber auch viel Arbeit machen. damit alle Gemeindemitglieder über die Termine Bescheid wissen – auch die jeweiligen Kirchen müssen rechtzeitig für den Gottesdienst reserviert, die Messdienerinnen und Messdiener informiert und noch mehr organisiert werden. Die Gottesdienste folgen natürlich der römischen Liturgie, die Unterschiede zu den Messen, die Chi Thien mit den deutschen Gemeinden feiert, sind gering. Am deutlichsten fällt auf, dass er auf Deutsch und Vietnamesisch predigt, schließlich sollen ihn alle verstehen können. Und auch die Musik ist vietnamesisch, ebenso fallen Kleidung und Dekorationen etwas anders aus. Bei den Feiern ist es ihm wichtig, seine eigenen Erfahrungen zu teilen. »Ich sage ihnen: Geht zu den deutschen Gemeinden, wenn ich nicht hier bin«, erklärt er. »Macht euch bewusst, wo ihr lebt, und baut euch keine Parallelwelt auf, in der wir nur unter uns sind.« Wirklich anders wird es nur, wenn etwas gefeiert wird, das in Deutschland keine große Aufmerksamkeit genießt – das chinesische Neujahrsfest zum Beispiel,

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