Franziskaner - Herbst 2026

25 FRANZISKANER 3|2026 »Abschied hat immer etwas Ambivalentes« – mit diesen Worten begrüßte Hausleiter Athanasius Spies die Gäste, als wir Franziskaner uns am 12. Juli von Vossenack verabschiedeten. »Dies umso mehr, wenn er nicht nur mit einem fröhlichen Fest verbunden ist, sondern die Folge eines schmerzhaften Geschehens ist, das den Namen ›sexualisierte Gewalt‹ und ›Missbrauch‹ trägt.« Auch Provinzialminister Markus Fuhrmann betonte in seiner Einführung, dass heute zwei Herzen in seiner Brust schlagen. »Ein dankbares und frohes Herz: Denn in den vergangenen rund 60 Jahren ist an diesem Ort so viel Gutes entstanden und gewachsen. Hunderte junger Menschen haben hier ihren Weg ins Leben gefunden.« Die Franziskaner kamen 1967 aus dem niederländischen Exaten nach Vossenack und haben dort Kloster, Internat und Gymnasium aufgebaut. Sechs Jahrzehnte lang wurden Schülergenerationen durch die franziskanische Spiritualität und das Wirken der Brüder geprägt – seelsorgerisch, pädagogisch und künstlerisch. Die beim Abschied mehr als gut gefüllte Kirche verdeutlichte die Verbundenheit der Menschen der Eifeler Umgebung mit den Brüdern. All das lässt das eine Herz dankbar und froh schlagen. Doch das trauernde Herz wiegt schwerer: »Denn einige Kinder und Jugendliche haben an diesem Ort Gewalt erfahren – sei es sexualisierte oder körperliche Gewalt oder auch geistlichen Missbrauch. Dass dies durch Angehörige des Franziskanerordens geschehen ist, beschämt mich und schmerzt. Ich möchte auch an dieser Stelle alle Betroffenen um Vergebung bitten für die entsetzlichen Taten. Und ich möchte sie um Vergebung Kloster Vossenack Abschied der Franziskaner Das Kunstwerk »Schmerzpunkt« von Susanne Wegner: Die rot gesprühte Markierung über dem Umhängekreuz soll das unbegreiflich Schreckliche des Missbrauchs sichtbar machen bitten für das Versagen von Verantwortlichen – die nicht hingesehen, nicht zugehört oder nicht ausreichend gehandelt haben. Ich weiß, dass wir diese Vergebung nicht erwarten dürfen. Ich kann die Betroffenen nur darum bitten.« Dass diese Ambivalenz nicht relativiert oder aufgehoben werden sollte, machte der Impuls nach dem Evangelium deutlich. Im Altarraum hing das Kunstwerk »Schmerzpunkt« von Susanne Wegner. Sie hat es als Zeichen der Erinnerung an sexualisierte Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche gestaltet. Es wurde beim Deutschen Katholikentag in Würzburg im Rahmen eines Kunstwettbewerbs ausgewählt. »Das ist heute ein Wendepunkt«, erklärte Bürgermeister Stephan Cranen. »Hürtgenwald ohne die Franziskaner ist eigentlich unvorstellbar.« In seiner Rede lobte er die Schule als »Motor für die Zukunft der Region« und das Internat – das zeitweise bis zu 60 Geflüchtete beheimatete – als einen Ort von »Haltung, Verantwortung, Respekt und Fürsorge«. Er mahnte aber ebenso: »Wir müssen die Opfer ernst nehmen und alles dafür tun, dass jetzt Strukturen geschaffen werden, die schützen. Und wir dürfen nie vergessen, was hier vorgefallen ist. Der Missbrauchsskandal gehört künftig zur Geschichte von Vossenack.« Dieser Aufgabe nimmt sich – neben der Zukunftsgestaltung – die Franziskus-Stiftung an. Sie trägt seit 2019 die Verantwortung vor Ort, als sie die Immobilien und die Trägerschaft von Internat und Gymnasium übernahm. Die offizielle Schließung des Konventes in Vossenack erfolgte am 31. August. Die Sonntagsgottesdienste in der Klosterkirche werden zunächst weiter von Pater Laurentius Englisch gehalten, der ins betreute Wohnen des Geschwister-LouisHauses umzieht. Stefan Federbusch OFM kunstwerk »schmerzpunkt« © susanne wegner

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