Franziskaner - Herbst 2026

26 FRANZISKANER 3|2026 DAS ENDE DER ZWILLINGE Am 11. September 2001 verübten islamistische Terroristen Anschläge auf das World Trade Center (WTC) und das Pentagon in den USA. Ein weiteres Flugzeug stürzte in Pennsylvania ab. Etwa 3.000 Menschen starben. Bruder Augustinus Diekmann war damals in New York – in diesem sehr persönlichen Erfahrungsbericht teilt er seine Erinnerungen zum denkwürdigen 25. Jahrestag des 11. September. Die Vorgeschichte Als ich direkt nach meinem Abitur in den Franziskanerorden eintrat, spielte vor allem das Streben des Ordensgründers Franziskus von Assisi nach Gerechtigkeit eine wichtige Rolle für mich. Dieser Gerechtigkeitssinn veranlasste mich auch dazu, nach dem Philosophie- und Theologiestudium in unsere Mission im Nordosten Brasiliens zu gehen. Angesichts der dortigen Menschenrechtsverletzungen, vor allem auch im Kontext der sich ausbreitenden Landkonflikte, engagierte ich mich schon bald im franziskanischen Dienst für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. In diesem Dienst war ich viele Jahre auch auf internationaler Ebene tätig und so in engem Kontakt mit Franciscans International (FI), einer Nichtregierungsorganisation bei der UNO. Es war uns wichtig, die Anliegen der an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Menschen im sogenannten »Armenhaus« Brasiliens auf die Tagesordnung der Vereinten Nationen zu bringen. Deshalb wurde ich im Frühjahr des Jahres 2001 als neuer Geschäftsführer von FI nach New York berufen. Ich sollte so meine europäischen und südamerikanischen Erfahrungen im Einsatz der internationalen Franziskanischen Familie für die Menschenrechte bei der UNO einbringen. Mein Leben im »Big Apple« Es war ein sehr herausfordernder Wechsel vom landwirtschaftlich geprägten Nordostbrasilien in die Häuserschluchten von Manhattan. Für einen Sauerländer wie mich waren die Skyline atemberaubend, der Straßenverkehr erschreckend und der Lärm unerträglich. Dazu kam das ungewohnte Gemeinschaftsleben in einem Kloster mit 50 Franziskanern in der 31st Street, ganz in der Nähe von Penn Station. Von dort konnte ich zu Fuß das FI-Büro und auch den Hauptsitz der Vereinten Nationen erreichen. Wenn ich abends zurück zum Kloster ging, beeindruckten mich jedes Mal die hell erleuchteten Türme des WTC. Jedes dieser gigantischen Gebäude war wie eine Kleinstadt mit mehreren Zehntausend Menschen. Überhaupt waren die unzähligen Wolkenkratzer auf engstem Raum etwas ganz Neues für mich. Ich fühlte mich als Fußgänger wie ein world trade center © tomas martinez – unsplash.com | helfer und mychal judge © everett collection – picture-alliance.com

RkJQdWJsaXNoZXIy NDQ1NDk=