27 FRANZISKANER 3|2026 Winzling. Gott sei Dank konnte ich mit dem Franziskaner Mychal Judge, Kaplan der Feuerwache gegenüber dem Kloster, schnell Freundschaft schließen. Wenn wir uns im Treppenhaus oder bei den Mahlzeiten trafen, fragte er immer wieder: »Augustinus, was macht dein Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden?« Er war an unserer Menschenrechtsarbeit sehr interessiert und brachte seine konkreten Erfahrungen in Manhattan ein. Das Wochenende vor dem Anschlag Am Freitag, dem 7. September 2001, sprach mich Father Mychal morgens an: »Ich bekomme heute Besuch von Marcelino, dem Sohn einer guten Bekannten aus Texas. Die Familie stammt ursprünglich aus Mexiko. Leider habe ich in diesen Tagen als Seelsorger viele Verpflichtungen in der Feuerwache. Es wäre schön, wenn du dich um Marcelino kümmern könntest.« Ich willigte ein und empfing den jungen Klostergast. Am nächsten Tag ging ich mit ihm zum Sightseeing in Manhattan. Natürlich führte uns unsere Tour auch zu den Zwillingstürmen des WTC. Auf einem Platz unter den beiden Giganten standen Hunderte von weißen Plastikstühlen, übrig geblieben von einem Livekonzert. Marcelino und ich setzten uns und blickten himmelwärts. Die Größe der Zwillinge war unbeschreiblich. »Nicht auszudenken, wenn hier mal was passiert. Das wäre echt ein Desaster«, bemerkte ich nebenbei. Am Sonntag waren wir dann auf dem Empire State Building. Unser Blick auf ein Meer von Wolkenkratzern war beeindruckend, aber vor allem die Zwillingstürme überragten majestätisch alle anderen Gebäude. Der Tag des Terrors Am Dienstag, dem 11. September 2001, bereitete ich mich nach dem Frühstück auf meinen Fußweg zum FI-Büro vor, als auf der Nachrichtenseite meines PCs plötzlich ein kurzes Video immer wiederholt wurde. Es zeigte ein Passagierflugzeug, das direkt in den oberen Teil eines der Zwillingstürme flog. Ich konnte es erst nicht glauben und hielt es für eine Szene aus einem Science-Fiction-Film. Aber schon bald wurde mir und den Brüdern im Kloster klar, dass das Ganze Realität war. Father Mychal war mit seinen Feuerwehrleuten schon zum WTC ausgerückt. Über der Stadt hörte man die Sirenen von immer mehr Feuerwehrautos und Notarztwagen. Ich traf mich mit Marcelino. Wir zwei verfolgten die schockierende Berichterstattung, die damals wie ein Lauffeuer um die Welt ging: Zunächst brannte der erste Zwillingsturm. Dann sahen wir Filmaufnahmen, wie Augustinus Diekmann hat die Attacke auf die Zwillingstürme am 11. September 2001 als Zeitzeuge hautnah erlebt, da er in dieser Zeit als Geschäftsführer der NGO Franciscans International im Büro in Manhattan tätig war. Heute ist er Leiter der Franziskaner Mission Dortmund.
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