16.01.2026 Bruder Damian Bieger

Schnee von gestern

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Damian Bieger
Bruder Damian Bieger

Er hat einen schlechten Ruf! Überholt, belanglos, bedeutungslos und irrelevant soll er angeblich sein: der Schnee von gestern! Da wir am vergangenen Wochenende in weiten Teilen Deutschlands ziemlich viel Neuschnee und anschließend Tauwetter hatten, liegt er gerade an vielen Stellen in kleinen Häufchen herum. Die Gelegenheit, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ihn zu würdigen!

Einen ersten Anhaltspunkt dafür, ihn zu respektieren, gebietet schon die Sorge um das eigene Wohl. Denn unangenehmerweise lauert der Schnee von gestern mancherorts in unscheinbaren, aber rutschigen Resten immer noch auf dem Gehweg. Unvermutet schickt er dich auf deinen Hosenboden oder in die Notaufnahme.

Doch hat er auch echte Qualität! Weil er so langsam dahinschmilzt, ist er meist gut für den Boden. Durchtränkend, ohne wegzureißen, wie etwa sein entfernter Verwandter, der Starkregen. Übrigens sind nicht zuletzt auch die Gletscher in den Bergen oder das fälschlich so bezeichnete Ewige Eis an Nord- und Südpol Schnee von gestern – für das Klima von erheblicher Relevanz!

Und warum benennt eigentlich niemand den alljährlichen Hype um weiße Weihnachten als das, was es in Wirklichkeit ist: Sehnsucht nach dem Schnee von gestern!?

Der Grund für seinen schlechten Leumund: Der Schnee von gestern entlarvt die Gegenwart! In einer schlagzeilenhungrigen Mediengesellschaft, erinnert er daran, dass es ein Leben auch ohne Titelstory gibt. Gerade auch, wenn es eben nicht schneeweiß glänzt und funkelt.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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