23.01.2026 Bruder Franz Richardt

„Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung“

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Franz Richardt

Wir erleben zurzeit gesellschaftliche Bewegungen, die in die Spannung von Hoffnung und Bangen führen. Derzeit scheint das Bangen die Überhand zu nehmen. Das ist angesichts der übergriffigen Machtinszenierungen einiger Akteure verständlich.

Da stellt sich die Frage: „Was kann ich schon ausrichten angesichts dieser globalen Entwicklungen?“ Natürlich sind zunächst einmal die Gegenkräfte auf der politischen Ebene gefordert. Aber für die persönliche Lebensführung halte ich es für notwendig, sich nicht in Lethargie, Zynismus oder Rückzug ins Private abdrängen zu lassen.

Ernst Bloch hat in seinem großen Werk „Prinzip Hoffnung“ deutlich gemacht, dass zwischen bloßem Wunschdenken und Hoffnung zu unterscheiden ist. Wunschdenken macht eher passiv, Hoffnung dagegen aktiv, ist gespeist von Gestalter-Willen. Dabei betont er, dass zu dieser aktiven Hoffnung immer auch Enttäuschungen gehören. Er spricht deswegen von „Hoffnung mit Trauerflor“, also davon, dass sich Hoffnungen oft nicht so erfüllen wie erhofft. Gerade die Enttäuschungen aber machen die Hoffnung realistisch und stark. So wie auch in der Pastoral der Weg durch die Trauer zu neuem Leben führt.

Der Apostel Paulus sagt: „Hoffnung, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung … Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld.“ (Röm 8,24-25)

Ich finde, das ist es, was wir tun können: Wirklichkeit als Wirklichkeit zulassen, ohne sie einfach nur gutzuheißen: ausharren, nicht aufgeben; weiter im Gebet treu sein; nicht auf Fake News hereinfallen und im persönlichen Gespräch und Verhalten Zivilcourage zeigen.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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