08.07.2026 Bruder René Walke

Meine Predigt würde ich nie von einer KI schreiben lassen!

Denn Predigen ist für mich eine Lebensschule

Bruder René Walke

Ich nutze KI sehr häufig und bin froh und dankbar für die enorme Arbeitserleichterung. Die meisten Texte, die ich übersetzen muss, lasse ich von einem Programm dolmetschen – und die Ergebnisse werden immer besser. Auch das kreative Arbeiten mit Bildern macht mir Freude: Mit ein paar Prompts eine generative KI zu beschäftigen und das Ergebnis anschließend zu verfeinern, empfinde ich als inspirierend.

Beim Predigen jedoch ist das anders.

Oft frage ich mich: »Soll ich eine Predigt schreiben oder erst einmal nachschauen, was mein persönliches Archiv hergibt?« Wenn ich dann fündig werde, lese ich meinen alten Text aufmerksam und spüre entweder »Das fühle ich immer noch so« – oder »Das kann ich derzeit nicht predigen«. Dabei geht es nicht um inhaltliche Richtigkeit, sondern um meine persönliche Entwicklung, die Umstände der Zeit und die konkrete Gemeinde, die mich umgibt.

Natürlich könnte ich all das zusammenfassen, der KI zielgerichtete Anweisungen geben und sie daraus eine Predigt formulieren lassen. Das Ergebnis wäre sicher beeindruckend, ansprechend, vielleicht sogar tröstlich. Und vermutlich hätte ich Spaß am Erstellen. Und doch kann ich das für mein eigenes Predigen nicht nutzen. Denn meine Predigten beruhen auf sehr persönlichen Erfahrungen und Empfindungen. Davon zu erzählen, verlangt Mut: mein Inneres preiszugeben, mich verletzbar zu machen und darauf zu vertrauen, mit kritischen Rückmeldungen umgehen zu können.

Predigen ist für mich eine Lebensschule. Sie zeigt mir, wie ehrlich ich zu meiner Beziehung zu Gott und zu Jesus stehen kann – gerade dort, wo mein innerstes Empfinden nicht mit kirchlichen oder gesellschaftlichen Konventionen übereinstimmt. Dieses persönliche Erleben, Durchleiden, Begeistern, Verteidigen, Anerkennen und Bekennen ist ein wertvoller Prozess meiner geistlichen Entwicklung. Ihn kann ich nicht an eine KI auslagern.

Sachlich, inhaltlich und stilistisch kann KI mich zutiefst beeindrucken und sogar berühren. Aber sie kann nicht mutig zu ihrer Botschaft stehen und keine Verantwortung übernehmen. Deshalb braucht es für meine Form der Predigt den inspirierten Menschen, der bereit ist, seinen Glauben, sein Zweifeln und Ringen ehrlich und vertrauensvoll mit anderen zu teilen. Predigen ist für mich ein Teilen, Zeigen und Offenbaren mystischer Begegnungen, die in der persönlichen Betrachtung des Evangeliums und der eigenen Geschichte geschehen.


Bruder René Walke ist Franziskaner, Guardian auf dem Hülfensberg sowie Priester und Geistlicher Begleiter im Bistum Erfurt. Außerdem ist er Beauftragter der Deutschen Franziskanerprovinz für die Franziskanisch Europäische Erfahrung, ein Freiwilligendienst in Kooperation mit dem Franziskanischen Bildungswerk. Der Artikel erschien in der Zeitschrift Franziskaner 2/2026.


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