03.07.2026 Bruder Damian Bieger

Unabhängigkeit

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Damian Bieger

Am 4. Juli 2026 wird an einen welthistorischen Moment erinnert: 250 Jahre Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. Es geht um nicht weniger, als die historische Erfahrung, dass sich Bürger selbst ermächtigten, um sich eine eigene Verfassung zu geben: eine Absage an Kolonialismus und Bevormundung! Dieser Gedanke von Volkssouveränität verknüpfte sich mit der ersten Erklärung von individuellen Menschenrechten, nicht zuletzt das Recht auf die Suche nach persönlichem Glück. Bis in die Gegenwart ist nicht abschließend geklärt, welcher dieser beiden Fixpunkte im Zweifelsfall dem anderen vorausgeht.

Möglicherweise viel tiefer und wirkungsvoller als die Worte der Unabhängigkeitserklärung war das, was viele Menschen damit verbanden: das Versprechen auf ein besseres Leben, das durch eigene Anstrengung erreichbar schien. Ganz egal, ob dieses Versprechen je gehalten wurde oder ob es überhaupt einlösbar ist: Es hatte und hat die Urgewalt eines schönen Traumes. Im kalifornischen Hollywood wurde im 20. Jahrhundert eine eigene Fabrik errichtet, die das mit Bildern befeuerte, meditierte, aber auch kritisch reflektierte.

Vielleicht stehen die USA aktuell in einem Lernprozess. Unabhängigkeit für sich genommen ist ein sehr heikles Ziel! Freiheit, die sich nicht verantwortlich bindet, mündet in Vereinsamung und im Extremfall in Tyrannei. Genau das Gegenteil von dem, was vor 250 Jahren angestrebt wurde.

So ist der ganzen Welt wirklich zu wünschen: God save America!


Der Blick zurück, der Blick nach vorn und der Blick nach innen.
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Immer freitags auf franziskaner.de.


Ein Kommentar zu “Unabhängigkeit

  1. Lieber Bruder Damian

    Das „vielleicht“ bzgl. Lernprozess der USA sehe ich absolut nicht. Mit Trump wurde ein Mensch Präsident, der in der Politik eine weitere Möglichkeit des Geschäfte machens sieht. Und Unabhängigkeit will diese Person nur für sich selbst. Dass er die Demokratie nicht wertzuschätzen weiss, hat er bereits zu genüge gezeigt und zeigt er noch, indem er Autokraten wie Erdogan & Co. hofiert und öffentlich als hervorragende Staatsführer bezeichnet. Alles Negative in der Geschichte der USA, der angeblich grössten Demokratie der Welt, soll gemäss Trump verschwiegen und aus der Wahrnehmung der Öffentlichkeit verschwinden: Sklavenhaltung, Unterdrückung der Urbevölkerung. Damit wird die Geschichte der USA weissgewaschen, auch wenn die Folgen dieser Handlungen sich bis heute auswirken.

    Nein, die USA sind kein Musterknabe für Demokratie, zumindest nicht mehr. Dass das amerikanische Volk nicht dazulernt, zeigt die Tatsache, dass Trump wiedergewählt worden ist – trotz rechtsgültiger Verurteilung, trotz Aufruf und Duldung des Sturms auf das Kapitol, trotz der Gewaltexzesse der ICE-Behörde.

    Ich kann nicht mit einstimmen in das „God save America“. Ich kann nur wünschen: Gott schütze die Menschen in Amerika, die sich der Staatsgewalt von Trump und seinen Schergen entgegenstellen. Gott schütze die Menschen, die in den USA immer noch benachteiligt werden. Und Gott schütze die Menschen, die sich für die Demokratie, die Wahrheit und die Unabhängigkeit von Behörden und Ämtern einsetzen.

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