Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Anfang September 2026 sind hier in Sachsen-Anhalt Landtagswahlen. Schon jetzt bereiten sich die Parteien auf den Wahlkampf vor. Eine rechtsextreme Partei steht derzeit in Umfragen an erster Stelle mit fast 40 % der Stimmen. Sie legte jetzt ein Programm vor, das den wachen Geist erschrecken macht: Dass den Kirchen Gelder gestrichen werden, ist schon schlimm genug, und Kirchenasyl zu gewähren, wird unterbunden. Es gibt eine Hierarchie der Nächstenliebe, an deren Spitze das eigene Ego steht. Der Fremde, sprich der Asylsuchende oder der Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund, steht ganz unten. Eine andere Partei, die eher mittig anzusiedeln ist, macht uns gerade vor, wie die Einwanderung in unserem Land begrenzt werden kann. Zunehmend begegnen wir sozialer Kälte und Empathielosigkeit. Etwas überspitzt: Hier ist der Fremde nicht mehr Schwester und Bruder und ganz sicher nicht mehr der Nächste.
Es brauchte wieder mehr Autorität in der Politik, heißt es auch bei vielen Jungwählern. Es brauchte wieder mehr Politiker mit einer autokratischen Haltung, die den Bürgern des Landes das Denken abnehmen und sagen, was öffentlichkeitswirksames und menschengerechtes Handeln ist. Das hatten wir schon einmal, anderen das Denken zu überlassen, wegzuschauen. Wohin uns das geführt hat, die Folgen tragen wir noch heute. Ein bisschen ratlos bin ich schon, was dagegen zu tun ist. Mir scheint, es braucht eine entschiedenere Haltung der Empathie in unserem Auftreten als Minderbrüder, die sich z.B. aus einer franziskanischen Spiritualität nährt, die, so Hermann Schalück in „Prophetisch glauben“, „Unscheinbares, Randständiges und Fremdes“ aufmerksam wahrnimmt und aufgeschlossen ist für neue Erfahrungen, die den anderen in seinem Anderssein wertschätzt, ihm seine Würde lässt und ihm als Mensch begegnet, brüderlich und solidarisch.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
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