26.05.2026

Pater Oswin Schirpke verstorben

Der gütige Gott, der Herr über Leben und Tod, rief am Morgen des Pfingstsonntags, am 24. Mai 2025, den Franziskaner Pater Oswin (Wolfgang) Schirpke für immer zu sich.

„Im Jahr des Herrn 1930, am 19. Februar, durfte ich als viertes von sechs Kindern des Reichsbahngehilfen Paul Schirpke und seiner Gattin Gertrud in Oels/Schlesien das Licht der Welt erblicken.“ Mit diesen Worten beginnt Pater Oswin seinen Lebenslauf, den er zu seiner Priesterweihe verfasst hat. Nach der Schulzeit hatte Wolfgang, so sein Taufname, im Frühjahr 1944 ebenfalls in Oels eine Ausbildung als Schneider begonnen, die er aber nicht abschließen konnte, da die Familie im Januar 1945 zur Flucht gezwungen war. „Nach vielen Irrfahrten und langem Verweilen in der Fremde fand ich im am 27. Februar 1947 in Mannheim wieder eine neue Heimat“, schreibt er weiter. Dort setzt er dann auch seine Ausbildung fort und arbeitet nach bestandener Gesellenprüfung noch ein Jahr in seinem Beruf. In dieser Zeit muss der Entschluss gereift sein, in den Orden einzutreten und Priester zu werden, denn er besucht zunächst die Schule in Riedlingen und legt dann im März 1954, mit 24 Jahren, in Hadamar die Abiturprüfung ab. Nur wenige Wochen später beginnt er in Salmünster das Noviziat für die damalige Thüringische Franziskanerprovinz und studiert anschließend in Sigmaringen-Gorheim und Fulda Philosophie bzw. Theologie. Am 25. Mai 1958 bindet er sich auf dem Frauenberg in der Feierlichen Profess für immer an die Gemeinschaft der Minderbrüder und wird dort am 24. April 1960 durch Bischof Adolf Bolte zum Priester geweiht.

Erste pastorale Erfahrungen sammelt Pater Oswin in Salmünster. 1964 wird er zum dortigen Missionsprokurator ernannt – ein Amt, das es damals in fast jedem Konvent gab. Damit hat er ein Arbeitsfeld gefunden, dem er sich dann durch fast vier Jahrzehnte mit Freude widmen wird. 1967 wechselt er nach Bornhofen und kommt 1970 nach Saulgau, immer zuständig für die Unterstützung der Mission. Er packt diese Aufgabe mit so viel Engagement und Leidenschaft an, dass sich daraus, neben der Provinz-Missionsprokur in Fulda, eine regionale „Missionsprokur Süd“ entwickelt, die 1979 mit ihm nach Ulm umzieht. Pater Oswin ist in dieser Funktion mit großem Fleiß und viel Herzblut für die Spenderinnen und Spender im Schwäbischen verantwortlich. Er geht ihm aber nicht nur ums Geldsammeln, er versteht seine Arbeit auch als Seelsorge, pflegt persönliche Beziehungen, macht unzählige Besuche und baut an der Basis einen eigenen Helferkreis auf. Die Fotokarte, die ihn mit einem großen Blumenstrauß in der Hand zeigt und die er als besonderes Dankeschön verschickt, zeigt, mit welcher Herzlichkeit er für die Mission brennt. Dass er im Zusammenhang mit der Vereinigung der vier deutschen Franziskanerprovinzen 2010 diese selbständige Aufgabe abgeben musste, weil die weltkirchliche Arbeit deutschlandweit neu strukturiert wurde, war nicht ganz einfach für ihn, aber er hat diesen Prozess konstruktiv mitgetragen.

Nach der Schließung des Franziskanerklosters Ulm im Herbst 2009 wechselt Pater Oswin als Seelsorger und Hausökonom nach Wangen und kommt 2013 auf den Frauenberg, wo er noch eifrig im Beichtstuhl mithilft. Er gehört dann zur ersten Gruppe der Brüder, die 2016 in die neue Seniorenkommunität im Theresienheim umzieht. Hier durfte er noch zehn gute Jahre verbringen.

Dass wir als Originale auf die Welt kommen und als Kopien sterben, trifft auf Pater Oswin sicher nicht zu. Bis zuletzt konnte er bisweilen durchaus kantig sein, aber auch überaus liebenswürdig und humorvoll. Wer ihm einmal begegnet ist, wird ihn so schnell nicht vergessen. Wir Brüder und ungezählte Menschen in den früheren „Missionsgebieten“ der Thuringia, in Japan und Mato Grosso, verdanken ihm viel. Dass er im hohen Alter von 96 Jahren ruhig einschlafen durfte, nachdem er noch gut gefrühstückt hatte, ist eine Gnade. Und dass dies ausgerechnet am Pfingstsonntag geschah, dem Geburtsfest der missionarischen Sendung von uns Christen, scheint wie eine schöne Bestätigung seines lebenslangen Einsatzes.

Durch das Geheimnis von Pfingsten, o Gott,
heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen.
Was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat,
das wirke sie auch heute.
Aus dem Tagesgebet des Pfingstfestes

Das Requiem für Pater Oswin feiern wir am Montag, dem 1. Juni 2026, um 10:30 Uhr in der Klosterkirche auf dem Frauenberg in Fulda. Anschließend findet die Beisetzung auf dem Klosterfriedhof statt.


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