19.10.2026 Maximilian Feigl

Provinzbibliothek: Das Beutelbuch

Maria mit Kind Bonaventura Beutelbuch
Ein Ausschnitt aus dem Wandteppich „Maria mit Kind und sechs franziskanischen Heiligen“. ©MAK/Ingrid Schindler

Unsere Provinzbibliothek berichtet in ihrem Blog regelmäßig von besonderen Büchern und unerwarteten Schätzen. Unter www.bibliothek.franziskaner.de gewähren der Provinzbibliothekar Pater Damian Bieger OFM und Historikerin und Kodikologin Dr. Sabine Buttinger einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek.


Auf dem Wandteppich „Maria mit Kind und sechs franziskanischen Heiligen“ ist der heilige Bonaventura († 1274) zu sehen. An seinem Gürtel hängt ein Beutel mit Metallknöpfen, also Beschlägen, wie sie damals auch Bücher hatten. Denn auch bei dem Beutel handelt es sich um Buch, ein sogenanntes „Beutelbuch“. Diese Sonderform eines Bucheinbandes kam im Spätmittelalter auf. Dabei erhielt das Buch einen zweiten Lederbezug, durch den man das Buch am Gürtel befestigen konnte. So war das Buch auch unterwegs stets Griffbereit.

Heute sind historische Beutelbücher sehr selten. Denn damit Bibliotheken sie in ihre Regale stellen konnten, haben sie den überstehenden Teil des Beutels abgeschnitten. So kommt es, dass es weltweit nur noch 23 Exemplare in ihrem ursprünglichen Zustand gibt. Wie die Provinzbibliothek in ihrem Blog verrät, besitzt sie keines davon – genauso wie übrigens auch Bonaventura nicht. Denn zu seinen Lebzeiten gab es die Beutelbücher noch gar nicht. Spätere Künstler nutzten sie aber gerne, um zu zeigen, dass eine Person gebildet und viel gereist war. So wie Bonaventura auf dem Wandteppich.

Über die Provinzbibliothek

Die Deutsche Franziskanerprovinz hat sich beim Zusammengehen der vier Provinzen Bavaria, Colonia, Thuringia und Saxonia im Jahr 2010 dafür entschieden, dass sie in Deutschland zukünftig nur noch eine Provinzbibliothek am Standort in München betreiben wird.

Die Bibliothek im Münchner Franziskanerkloster St. Anna soll nun zum Erinnerungsspeicher für deutschsprachige franziskanische Literatur aus den verschiedenen Jahrhunderten werden. Deshalb wird nur noch in das Fach „Franciscana” neue Literatur aufgenommen. Sie beherbergt etwa 120.000 Bände, darunter gut 20.000 Bände Altbestand. Allerdings müssen viele der alten Bücher noch „gerettet” werden, damit sie wieder zugänglich werden. Der Zahn der Zeit hat gnadenlos genagt!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert