23.10.2026 Bruder Hrvoje Žabić

Jeder trägt etwas Göttliches in sich

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Kommentar Sorbas

Letzten Donnerstag habe ich einen Ausflug in die Stadt Split an der Adriaküste gemacht. Während eines Nachmittagsspaziergangs durch enge und belebte Gassen habe ich unerwartet ein interessantes Veranstaltungsplakat an der Fassade eines alten Gebäudes bemerkt. Auf dem Plakat stand mit großen roten Buchstaben unter einem tanzenden Mann „ZORBA“ geschrieben.

Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, denn das Plakat erinnerte mich an einen Dialog aus dem bekanntesten Roman von Nikos Kazantzakis. In dem Gespräch erzählt der junge sogenannte „Boss“ dem lebensfrohen Vagabunden Alexis Sorbas mit gehobenen Worten von drei verschiedenen Arten von Menschen. Daraufhin stellt Sorbas die Frage, ob er das Erzählte auch tanzen könne, damit er in der Lage wäre, ihn zu verstehen. Falls der Boss nicht tanzt, gibt er ihm noch eine andere Möglichkeit: Sorbas bittet ihn um ein Märchen und gibt ihm auch ein Beispiel dazu.

Jetzt bin ich beim Wichtigsten angelangt. Sorbas erzählt dem Boss von Gott. Seiner Ansicht nach passt Gott nicht in sieben Stockwerke – weder im Himmel noch auf Erden, wohl aber in das menschliche Herz. Aus diesem Grund müsse man darauf achten, dass das menschliche Herz nie verletzt wird. Sorbas meint, es gibt keine drei Arten von Menschen – jeder von uns trägt etwas Göttliches in sich und ist deshalb wertvoll. Nach dieser kurzen Denkpause ging ich weiter in Richtung der Uferpromenade Riva.


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