Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ hat als Meme eine Weltkarte gepostet, die für Europa brisantes darstellt: Hauptakteur Trump unterteilt die Welt in das, was ihm zusteht, und das, was er seinen Mitspielern Putin und Xi überlässt. Darin weitet Washington seinen Einfluss auf Süd- und Nordamerika, Kanada und Grönland aus. Moskau hat die Macht über Russland und bekommt Europa und Nordafrika dazu. China erhält ganz Südost-Asien, Ozeanien und einen großen Teil Afrikas.
OK, die Karte ist nur eine Karikatur der Machtphantasie eines Rüpels, und ich will nicht glauben, dass sich diese Welt-Un-Ordnung vollzieht. Gleichzeitig bin ich aber mit der Realität konfrontiert, dass diese Bewegung schon längst begonnen hat, nicht zuletzt durch den Ukraine-Krieg und die Entführung und Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Maduro. Ich bin – glücklicherweise – in einer Welt und in Europa groß geworden, in der ich an die Stabilität der Nachkriegsordnung geglaubt habe. Die bislang zementierte Festigkeit schwindet jedoch.
Die Zeit der multipolaren Weltordnung, die sich nach dem 2. Weltkrieg herauskristallisiert hat und acht Jahrzehnte währte und ein Gleichgewicht der Kräfte implizierte, ist vorbei. Veränderungen ziehen am Horizont auf – damit verbunden das Gefühl der Angst und Sorge. Bewegung, die zu allen Systemen und Ordnungen immer dazugehört, birgt weltweit Risiken, die noch gar nicht absehbar sind.
Wenn die Welt zum Selbstbedienungsladen der Starken, und jedes Land zum Freiwild wird, dann sind Souveränität und Völkerrecht Werte und Worte, die auf der Strecke bleiben.
Ich hoffe von Herzen, dass alle diese Bewegungen letztendlich dazu führen, dass die Europäische Union sich ihrer Geschichte und ihrer Kraft bewusst wird und neue Visionen für eine geeinte Zukunft entwickelt.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
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