
Unsere Provinzbibliothek berichtet in ihrem Blog regelmäßig von besonderen Büchern und unerwarteten Schätzen. Unter www.bibliothek.franziskaner.de gewähren der Provinzbibliothekar Pater Damian Bieger OFM und Historikerin und Kodikologin Dr. Sabine Buttinger einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek.
In der Münchner Franziskanerbibliothek befinden sich 29 Bücher, die aus einem alten Observantenkloster in Eger stammen. Eger, heute Cheb, liegt in Tschechien, nahe der deutschen Grenze. Als das Kloster Mitte des 13. Jahrhunderts gegründet wurde, war diese Zuordnung noch etwas anders. Das Kloster selbst gehörte zur Sächsischen Franziskanerprovinz, während die Stadt selbst freie Reichsstadt war, bevor sie unter die böhmische Krone fiel.
Nach der Reformation wechselte das Kloster, nachdem es sich schon zuvor der Reformrichtung der Observanz angeschlossen hatte, in die Zuständigkeit der Straßburger Ordensprovinz. Ende des 18. Jahrhunderts fiel es dann an die Böhmischen Franziskaner, bis es 1938 nach der Besetzung des Sudetenlands unter die Verwaltung der Bayerischen Franziskanerprovinz gestellt wurde. 1951 schließlich wurde das Kloster von den tschechoslowakischen Kommunisten geschlossen. Die Bücher fanden aber schon vorher ihren Weg nach München.
Damit sind sie – zumindest im übertragenen Sinne – im Laufe der Jahrhunderte von Sachsen aus nach Straßburg, von dort nach Böhmen und dann nach Bayern gewandert, bevor sie schließlich auch physisch den Standort gewechselt haben. Was in den Büchern steht und wie sie es letztlich nach München geschafft haben verrät der Bibliotheksblog.
Über die Provinzbibliothek
Die Deutsche Franziskanerprovinz hat sich beim Zusammengehen der vier Provinzen Bavaria, Colonia, Thuringia und Saxonia im Jahr 2010 dafür entschieden, dass sie in Deutschland zukünftig nur noch eine Provinzbibliothek am Standort in München betreiben wird.
Die Bibliothek im Münchner Franziskanerkloster St. Anna soll nun zum Erinnerungsspeicher für deutschsprachige franziskanische Literatur aus den verschiedenen Jahrhunderten werden. Deshalb wird nur noch in das Fach „Franciscana” neue Literatur aufgenommen. Sie beherbergt etwa 120.000 Bände, darunter gut 20.000 Bände Altbestand. Allerdings müssen viele der alten Bücher noch „gerettet” werden, damit sie wieder zugänglich werden. Der Zahn der Zeit hat gnadenlos genagt!