15.05.2026 Maximilian Feigl

Provinzbibliothek: Der Tod als eigentliche Geburtsstunde

Provinzbibliothek Tranistus
Die Textstelle im Brevier, die den Tag des Transitus des Heiligen Franziskus markiert.

Unsere Provinzbibliothek berichtet in ihrem Blog regelmäßig von besonderen Büchern und unerwarteten Schätzen. Unter www.bibliothek.franziskaner.de gewähren der Provinzbibliothekar Pater Damian Bieger OFM und Historikerin und Kodikologin Dr. Sabine Buttinger einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek.


In dem franziskanischen Brevier in unserer Bibliothek, das bereits um 1235 entstand, finden wir am 4. Oktober – oder an den „vierten Nonen des Oktober“, wie es damals hieß – einen interessanten Eintrag. Denn am 3. Oktober ist der Heilige bekanntermaßen verstorben, was sich in diesem Jahr zum 800. Mal jährt. Am 4. Oktober heißt es in dem Brevier nun: Nativitas beati patris nostri Francisci ordinis fratrum minorum fundatoris et primi ministri, zu Deutsch „Geburt unseres Heiligen Vaters Franziskus, des Gründers und ersten Ministers des Ordens der Minderbrüder“.

Mit diesem Eintrag bringt der Autor auf den Punkt, was auch die frühen Quellen schildern, die das Sterben und den Tod des Franziskus beschreiben: Für diese war die Sterbestunde des Ordensvaters ein Übergang in den Himmel, also ein Transitus. Sie waren sicher: Dieser Tod war kein Ende, sondern erst der Anfang. Eine Sicht, die sich auch in späteren franziskanischen Kalendarien des Mittelalters zeigt. Eines davon ist ab 24. Mai öffentlich einsehbar: Denn dann beginnt die Ausstellung „LebensKunst. 800 Jahre Franz von Assisi“ im Domquartier in Salzburg. Mehr über das Brevier in der Provinzbibliothek verrät natürlich der Bibliotheksblog.

Über die Provinzbibliothek

Die Deutsche Franziskanerprovinz hat sich beim Zusammengehen der vier Provinzen Bavaria, Colonia, Thuringia und Saxonia im Jahr 2010 dafür entschieden, dass sie in Deutschland zukünftig nur noch eine Provinzbibliothek am Standort in München betreiben wird.

Die Bibliothek im Münchner Franziskanerkloster St. Anna soll nun zum Erinnerungsspeicher für deutschsprachige franziskanische Literatur aus den verschiedenen Jahrhunderten werden. Deshalb wird nur noch in das Fach „Franciscana” neue Literatur aufgenommen. Sie beherbergt etwa 120.000 Bände, darunter gut 20.000 Bände Altbestand. Allerdings müssen viele der alten Bücher noch „gerettet” werden, damit sie wieder zugänglich werden. Der Zahn der Zeit hat gnadenlos genagt!


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