23.07.2026 Maximilian Feigl

Provinzbibliothek: Bücher in Ketten

Provinzbibliothek Kettenbuch
Ein Inkunabelband mit Predigten von Bernardin von Siena, an dem die Kette noch erhalten ist.

Unsere Provinzbibliothek berichtet in ihrem Blog regelmäßig von besonderen Büchern und unerwarteten Schätzen. Unter www.bibliothek.franziskaner.de gewähren der Provinzbibliothekar Pater Damian Bieger OFM und Historikerin und Kodikologin Dr. Sabine Buttinger einen Blick hinter die Kulissen der Bibliothek.


Im Mittelalter standen Bücher nicht in Regalen, sondern lagen auf Tischen oder Pulten. Und durch eine am Hinterdeckel befestigte Eisenkette waren sie an diesen befestigt. Als die Bücher später aufrecht in Regale gestellt wurden, wurden die Ketten und Beschläge dann entfernt. An heute noch erhaltenen Kettenbüchern (lat. libri catenati) findet man Spuren dieser Praxis, wie etwa an der ältesten Handschrift in unserer Provinzbibliothek. Diese Latein-Grammatik aus dem 12. Jahrhundert zeigt am Hinterdeckel noch Spuren vom Beschlag einer später entfernten Kette. An anderen Exemplaren, wie etwa einem Inkunabelband mit Predigten von Bernardin von Siena, ist sogar die Kette selbst erhalten geblieben.

Und warum wurden die Bücher angekettet? Die Verhinderung von Diebstahl kann durchaus ein Grund gewesen sein, schließlich waren die Bücher kostbar. Und sogenannte Bücherflüche in alten Handschriften, die Dieben Strafen androhten, zeigen, dass Diebstahl durchaus ein Problem war. Es gibt aber noch andere Gründe für das Anketten – welche, verrät der Bibliotheksblog.

Über die Provinzbibliothek

Die Deutsche Franziskanerprovinz hat sich beim Zusammengehen der vier Provinzen Bavaria, Colonia, Thuringia und Saxonia im Jahr 2010 dafür entschieden, dass sie in Deutschland zukünftig nur noch eine Provinzbibliothek am Standort in München betreiben wird.

Die Bibliothek im Münchner Franziskanerkloster St. Anna soll nun zum Erinnerungsspeicher für deutschsprachige franziskanische Literatur aus den verschiedenen Jahrhunderten werden. Deshalb wird nur noch in das Fach „Franciscana” neue Literatur aufgenommen. Sie beherbergt etwa 120.000 Bände, darunter gut 20.000 Bände Altbestand. Allerdings müssen viele der alten Bücher noch „gerettet” werden, damit sie wieder zugänglich werden. Der Zahn der Zeit hat gnadenlos genagt!


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