Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Wir glauben einander nicht. Nur den Kindern glauben wir manchmal. Als Jüngster von 3 Geschwistern kann ich sagen: Bis du anfängst zu reden, glauben sie dir, dass du gut bist. Irgendwann sind die meisten von uns dann so verbogen, voll der Lügen, die wir glauben müssen. Ein Beispiel: Im Kindergarten habe ich alle Förmchen zum Spielen – das Mädchen neben mir hat keines, wir streiten, der Stärkere gewinnt die Förmchen, der Schwächere macht die heulende Alarmanlage. Die Erzieherin kommt und predigt Versöhnung, mit dem Fuß aufstampfen, tief durchatmen und die Händchen geben, einmal angeschaut und alles ist wieder gut.
Außerhalb vom Kindergarten sagen sie dir dann: Das Leben ist kein Kindergarten! Die versöhnen sich nie, und der ist der böse, und die ist verlogen. Und da kann man aufstampfen wie man will, wenn man keine Ruhe gibt mit der Versöhnung und dem Glauben daran werden die Großen wild. Und das Kind lernt, wie man aufgibt. Wie man Lüge mit Wahrheit austauscht und bald wieder mit den Großen vernünftig reden kann. Einige lernen es nicht so gut, die bekommen dann Diagnosen oder Einträge ins Zeugnis und unters Hausaufgabenbuch.
Es gibt keinen Menschen, der unverbogen aus der Kindheit kommt – mit Ehrlichkeit biegen wir die Erinnerungen wieder gerade und können neu lernen, was Glauben wirklich bedeutet und mit neustaunenden, verschreckten und beruhigten Kinderaugen das Evangelium zu leben, dass den Kleinen und Unmündigen offenbart, den Weisen und Klugen jedoch verborgen ist.
Wie viele Große müssen noch in diese Welt kommen und uns beweisen, dass dieses Wort des Evangeliums wahr ist? Wie viele Kleine müssen noch belächelt, betäubt und verängstigt werden, bis wir ihnen glauben?
Wir gehören alle zusammen, ob klein, groß, berühmt, religiös, atheistisch, depressiv, euphorisch, alt, jung, verwirrt, klar – und der Geist weht, wo er will – auch in den Großen, wenn sie es glauben können und nicht begründen wollen.
Eine Krise ist eine Chance und wir leben in der Zeit der Glaubenschance.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
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