Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

„Wilde Kirche“ – das löst spannende Assoziationen aus. Was soll ich mir unter einer „wilden Kirche“ vorstellen? Des Rätsels Lösung ist ganz schlicht: Eine Kirche in der freien Natur. Oder besser und genauer: Eine Schöpfungsliturgie draußen in unserer Mitwelt. Anlässlich der Schöpfungszeit habe ich am 4. September zusammen mit einer Ordensschwester einen Schöpfungsgottesdienst auf deren großen Klostergelände, dem Magdalenenpark in München, angeboten. 35 Teilnehmende fanden sich zu diesem erstmaligen, etwas anders gestalteten Gottesdienst ein. Zentrales Element ist der Zugang über die Schöpfung und eine halbstündige Zeit der Stille, die jede und jeder für sich an einem frei gewählten Ort verbringt. Da die Schöpfung neben der Bibel als Buch Gottes verstanden werden kann, ermöglicht sie, die Mitwelt als heiligen Raum und lebendiges Zeugnis für Gott zu erfahren. Eine Form der Liturgie insbesondere auch für Menschen, die sich mit eher traditionellen Formen schwertun und nicht mehr in ein Kirchengebäude zum Gottesdienst kommen würden.
An dem Tag kehrte ich gerade aus Marienthal zurück, einem Marienwallfahrtsort im Rheingau, den wir Franziskaner nun leider verlassen und in andere Hände geben. Ein solcher Ort steht für die eher klassischen Formen der Liturgie und ist Anlaufpunkt für die Menschen, die eher traditionelle Formen des Glaubens bevorzugen wie Anbetung, marianische Andachten, Rosenkranz oder Kreuzweg. Unsere katholische Kirche birgt eine große Fülle von Traditionen und Formen und somit einen großen Reichtum und Schatz. Entscheidend ist für mich, dass diese Vielfalt an spirituellen Formen zugelassen wird, damit sich möglichst viele Menschen durch die unterschiedlichen Angebote angesprochen fühlen. Gerade die Schöpfungszeit ist eine große franziskanisch inspirierte Chance, neue liturgische Formen auszuprobieren. Zumal sie am 4. Oktober mit dem Festtag des hl. Franziskus endet, der als Patron der Mitwelt und mit seinem Sonnengesang für eine tiefe Erd- und Schöpfungsverbundenheit steht. Mit ihm dürfen wir eine „Wilde Kirche“ gestalten, um Gott mit allen Sinnen in allem zu entdecken und zu preisen.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
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