Der heilige Franziskus wäre wohl glücklich gewesen über die anregende und würdige Feier zu seinem 800. Todestag in der Klosterruine der Franziskanerkirche von Berlin. „Out of the Box“ war das Thema der abendlichen Transitus-Feier, der Feier vom Sterben des Heiligen. Bruder Markus Fuhrmann, Provinzial: „Um zu wachsen in der geschwisterlichen Liebe zueinander und einst hoffnungsvoll unserer eigenen Begegnung mit dem Tod entgegenzugehen“.

Franziskanerinnen und Franziskaner lasen aus den Lebensbeschreibungen vom Sterben des Heiligen, von seinem „Transitus“, seinem Übergang zu Gott. Umrahmt von Liedern und Psalmen wurde erhellt, dass Franziskus seinen Tod als „Schwester“ bezeichnete. Seine letzten Worte: „Ich habe das Meinige getan. Was das Eurige ist, möge euch Christus lehren.“
Wie Franziskus sich in seiner letzten Stunde Brot zum Teilen bringen ließ, wurden auch in der Klosterruine Brotstücke gesegnet und geteilt – „als Zeichen der Verbundenheit über den Tod hinaus“.

Bruder Markus nannte Franziskus einen Menschen des Übergangs. Daher sei diese Ruine ein guter Ort, seiner zu gedenken. Heute wie damals gebe es das Gespür: „So kann es nicht weitergehen. Strukturen und Gewissheiten fallen weg.“ Franziskus habe vor dieser Situation keine Angst gehabt und habe Brücken gebaut, aus einer Krise etwas Neues geschaffen. „Ich darf mich frei machen und mich selbst verschenken“, bezeichnete der Provinzial als Quelle der neuen Lebensform mit universaler Weite. Als Grenzgänger rufe Franziskus zu echten Begegnungen auf. Den Tod sah er nicht verharmlosend, sondern als Hinübergang zu Gott aus tief verwurzeltem Vertrauen. (Link zu YouTube Shorts, Ansprache von Bruder Markus) „Seid anders, habt den Mut, euch aus Schubladendenken und Grenzen herausführen zu lassen in eine zuversichtliche Freiheit, weil wir dem vertrauen, der uns aus jedem Übergang hinausführt“, waren die Schlussworte seiner Predigt.
Der gesungene Sonnengesang erhellte neue Perspektiven: Leben ist Übergang, Veränderung und Wachstum. Deshalb solle auf Wandel und Veränderung nicht nur mit Sorge, sondern auch mit Hoffnung geschaut werden. „Geistige Lockerungsübungen wie bei Franziskus brauchen wir vielleicht auch heute.“
Erzbischof Heiner Koch blickte in seinem Grußwort auf die vielen Brüche in Berlin. Er wünschte viele Übergänge in Freiheit und Weite. Propst Johannes Krug von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erinnerte daran, dass ein Franziskanermönch den Totentanz in der Sankt Marienkirche anführt. „So schafft es Franziskus, Brücken bis in die evangelische Kirche hineinzubauen.“ Ute Müller-Tischler, Fachbereichsleiterin Kunst, Kultur und Geschichte im Bezirksamt Mitte, bezeichnete die Klosterruine als Begegnung von Stadtgeschichte und Spiritualität. Daher werde dieses Baudenkmal weiter erhalten. Georg Dybe, Vorsitzender des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster versprach, die Tradition weiter hochzuhalten.
Mit Klängen der „Wochentagskapelle“, mit Bewirtung durch die Suppenküche und vielen Gesprächen klang die Transitus-Feier aus. Viele franziskanisch gesinnte Menschen feierten noch lange in die laue Herbstnacht hinein.