100 Jahre Bildung und Begegnung – dafür steht Haus Ohrbeck als franziskanische Bildungsstätte vor den Toren Osnabrücks. Was zunächst 1926 als Exerzitienhaus begann, hat sich seit 1971 zu einer Heimvolkshochschule des Landes Niedersachsen weiterentwickelt.

Am 20. September 2026 wurde kräftig gefeiert. Zunächst mit einem Festgottesdienst unter dem Motto „Bildung und Vielfalt“ im Klostergarten, dem Provinzialminister Markus Fuhrmann vorstand. Mitzelebranten waren der Geistliche Leiter von Haus Ohrbeck, Bruder Andreas Brands sowie der Bischofsvikar Ulrich Beckwermert. In der Dialogpredigt zwischen Markus Fuhrmann und der derzeitigen Hausleiterin Franziska Birke-Bugiel verdeutlichte diese, dass es nicht um ein Gebäude, auch nicht vorrangig um eine Institution geht, sondern um Menschen. Es gehe um Gesichter, um Begegnungen und Gespräche. Mit Blick auf die verschiedenen Gnadengaben, von denen Paulus im Brief an die Gemeinde von Korinth (1 Kor 12,1-11) spricht, gehe es um die unterschiedlichen Gaben, mit denen Menschen kommen, die die Mitarbeitenden mit ihren Kompetenzen einbringen und die Referent:innen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven. Bruder Markus stellte mit Blick auf das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16) fest, dass es bei Gott nicht um eine Leistungsgerechtigkeit gehe, sondern eine Teilhabegerechtigkeit. Sie drücke sich aus in der „11. Stunde“ und in dem, was Haus Ohrbeck Menschen an Räumen bietet. Franziska Birke-Bugiel bezeichnete dies als Ohrbeck-Pointe. Nicht: „Du musst schon etwas können, bevor du hierherkommst.“ Sondern: „Komm – vielleicht wartet hier etwas auf dich.“ Nicht: „Du hast bisher nichts beigetragen.“ Sondern: „Deine Stunde ist vielleicht jetzt.“ Nicht: „Du bist zu spät.“ Sondern: „Im Weinberg Gottes gibt es auch eine elfte Stunde.“ Das sei Bildung als christlicher Dienst: „Wir geben Menschen Raum“. Um das zu gewährleisten, wurde ein Teilhabe-Fond gegründet, der Menschen unterstützt, die sich aus finanziellen Gründen keine Seminare leisten können.
Bruder Markus zeigte dann anhand der Geschichte von Haus Ohrbeck auf, wie oft es eine elfte Stunde gegeben habe: 1926 mit der Gründung des Exerzitienhauses in den Krisenzeiten der 20er Jahre, 1941 mit der Beschlagnahmung des Hauses durch das NS-Regime, 1954 mit dem Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg, 1971 mit der Umgestaltung zur Heimvolkshochschule und jetzt 20026 mit der Gründung einer Stiftung zum Erhalt des Hauses. Zukunft sei nicht nur eine Verlängerung der Vergangenheit, sondern die Frage: „Was schenkt uns der Geist heute?“ Eingeleitet wurde die Dialogpredigt von Niels Seidel durch seine Performance „Roundabout“. Er verstand es, auf einer rotierenden Scheibe kunstvoll-kreativ mit einem Stuhl umzugehen, der ihm immer wieder im Wege stand und letztlich als Ausruhpunkt diente. Für Hausleiterin Franziska Birke-Bugiel verdeutlichte die Performance genau dieses Anliegen: „In Bewegung und in Balance bleiben im Heiligen Geist!“
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch einen Projektchor. Nach intensiver Fürsprache bei Petrus verschonte der Himmel die Feiernden zumindest mit einem zunächst zuvor befürchteten feuchten Segen von oben und schob gegen Mittag die Wolken sogar so weit zur Seite, dass die Sonne ungehindert strahlen konnte.
Nach einem stärkenden Mittagessen mit lecker belegten Brötchen gab es ein umfangreiches Programm für Groß und Klein. Für Kinder und Familien boten eine Waldführung sowie eine waldpädagogische Erlebnisstation praktische Erfahrungen und Mitmachmöglichkeiten. Für die Erwachsenen wurden zwei unterschiedliche Führungen durch die spirituellen Räume (Kreuzkapelle, Kirche St. Antonius und Konvent) sowie Haus Ohrbeck (Gänge, Wege, Überraschungen) angeboten. „Drei Azubis packen aus…“ versprach eine Veranstaltung mit drei Azubis aus der Hauswirtschaft, die ihre Ausbildung vorstellten. Der Performancekünstler Niels Seidel zeigte noch einmal sein großes Können auf der rotierenden Scheibe, diesmal nicht nur mit einem Stuhl, sondern auch mit Bällen. Als Dauerangebote wurden in der Aula verschiedenste Grußworte per Videobotschaften gezeigt, im Forum ein viertelstündiger Film über „Zeitsprünge: 100 Jahre Haus Ohrbeck“ sowie in der Arche das Nachhaltigkeitskonzept des Hauses vorgestellt samt hausgemachter Aufstriche und Jubiläumshonig der hauseigenen Bienen auf selbst gebackenem Brot. Nach Kaffee und Kuchen und der Verkündigung der Hauptgewinner der Tombola folgte ein zweiter Durchgang der diversen Aktionen, bevor der Jubiläumstag mit einer Andacht beschlossen wurde.
Ein wichtiger Schritt für die Zukunft wurde während der Feierlichkeiten per Unterschrift der Hausleiterin Franziska Birke-Bugiel, von Provinzialminister Markus Fuhrmann sowie Provinzökonom Thomas Abrell besiegelt: die Gründung einer Stiftung, um Haus Ohrbeck auf ein gutes Fundament zu stellen, wenn die Kapazitäten des Bistums Osnabrück und der Franziskaner nicht mehr in dem Maße wie bisher zur Verfügung stehen.
Menschen Raum geben zu Bildung und Begegnung. Der Jubiläumstag bot reichlich Raum zur Begegnung für viele ehemalige Mitarbeiter:innen, die in Haus Ohrbeck tätig waren, für viele Gäste des Hauses und alle, die dem Haus verbunden sind, u.a. auch dem ehemaligen Bischof von Osnabrück Franz-Josef Bode, der aus Paderborn zur Feier angereist war.
DANKE an alle, die sich in 100 Jahren Haus Ohrbeck engagiert haben!




