22.07.2026 Bruder Stefan Federbusch

GFBS-Grundlagenseminar zum Thema Frieden

Als Pilger des Friedens waren 25 Teilnehmende beim diesjährigen Grundlagenseminar in und um Meschede unterwegs.

Das diesjährige INFAG-Grundlagenseminar für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung fand vom 16. bis 19. Juli 2026 in der Oase der Benediktiner in Meschede statt. Unter dem Thema „Friedensfähig statt kriegstüchtig – Als Pilgernde unterwegs für den Frieden“ kamen 25 Personen aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich zusammen. Begonnen wurde es von Thomas Griese mit einigen Impulsen in der Friedenskirche der Abtei Königsmünster. In verschiedenen Kleingruppenkonstellationen gab es ein Kennenlernen unter der Moderation von Franz-Josef Wagner. In der ersten Einheit erzählte Peter Bürger, der vor Ort aufgewachsen ist, anhand von Bildern etwas zur Friedensregion Sauerland, sprich zu Menschen, die sich insbesondere während der Nazizeit für Frieden eingesetzt haben.

 

Bild: Teilnehmende beim GFBS-Grundlagenseminar 2026 in Meschede.
Bild: Teilnehmende beim GFBS-Grundlagenseminar 2026 in Meschede.

Am ersten Pilgertag sind wir dem ca. 16 km langen Klosterweg von Meschede nach Bestwig gefolgt. Unterwegs gab es bei gutem Wanderwetter und nur einem Regenschauer vier Stationen, zunächst zwei biblische von Thomas Nauerth und dann zwei regionale von Peter Bürger. Die letzte Etappe endete im Bergkloster der Schwestern von Maria Magdalena Postel mit aufbauendem Kaffee und Kuchen. Nach einer Führung durchs Haus, Krypta und Kirche ging es per Bahn wieder zurück.

Am Samstagvormittag folgte zunächst ein Impulsreferat zu Franziskanischen Impulsen zum Thema Frieden durch Br. Stefan Federbusch. Als letzten Teil die Lehrerzählung vom Wolf von Gubbio behandelt, ergänzt durch einige Aspekte zum Stichwort „Mediation“ durch Thomas Nauert. Dies bildete die Überleitung zum Beitrag von Sr. Paulina Kleinsteuber OSB, die zu den Veränderungen in Politik und Gesellschaft referierte und den friedenspolitischen Herausforderungen. Sie war lange Jahre bei der Bundeswehr, auch zu Auslandseinsätzen in Afghanistan und im Kosovo, und brachte noch einmal eine andere Perspektive ein.

Am Nachmittag startete der zweite, diesmal nur halb so lange Pilgerweg mit vier Stationen: zunächst zum Friedenskreuz in die Kirche Maria Heimsuchung. Es erinnert an die ermordeten Zwangsarbeiter und stand ursprünglich an der Stelle der Ermordung. Nachdem es viermal zerstört worden war, wurde es dort vergraben und erst 1976 wieder aufgestellt. Von dort zum Waldfriedhof, auch „Franzosenfriedhof“ genannt, weil dort französische Soldaten des Ersten Weltkriegs begraben sind. Ebenso Zwangsarbeiter und russische Soldaten des Zweiten Weltkriegs. Die Grabplatten tragen die verharmlosenden Inschriften: „Hier ruhen sowjetische Bürger, die in der schweren Zeit von 1941 bis 1945 fern von ihrer Heimat starben.“ Die russische Gedenkstele steht ganz hinten und war so aufgestellt, dass man die deutsche Sprachseite nicht sah, wo von „brutaler Ermordung“ die Rede ist. Zudem war sie lange Jahre zugewachsen. Weiter ging es zur Everberger Kuhweide, wo die Ermordung stattgefunden hat. Letzte Station: der Soldatenfriedhof für die deutschen Gefallenen. Der wird von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge betreut und ist im Gegensatz zum Waldfriedhof entsprechend gepflegt. Den Austausch in 5er-Gruppen mit der Methodik „synodales Gespräch“ gemacht.

Am Sonntag feierten wir mit der Ortsgemeinde in der Kirche Maria Himmelfahrt die Eucharistie zum Thema Frieden. Das Sonntagsevangelium zu „Unkraut und Weizen“ passte zum Gedanken des Friedens in mir. Begonnen wurden die Tage jeweils mit einem Morgenimpuls und klangen mit einem Nachtgebet aus.

Das Seminar endete mit einer Auswertungsrunde durch Br. Stefan Federbusch und Sr. Beate Krug. Gab insgesamt eine große Zufriedenheit. Der Zusammenklang zwischen Ort(en), Referenten und Thema war diesmal besonders gelungen, intensiv und authentisch. Er lud zur Rückschau auf die eigene Biografie und Familiengeschichte ein. Der Umgang mit der Historie vor Ort zeigt, wie schwierig eine Gedenkkultur immer noch ist, auch wenn eine Bewusstseinsänderung seit den späten 60er-Jahren stattgefunden hat. Die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen, wie notwendig Bildungsarbeit vor Ort ist, um neben den weltpolitischen auch die regionalen Bezüge lebendig zu erhalten, die dazu auffordern, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.

Im kommenden Jahr findet das Grundlagenseminar wieder in der klassischen kurzen Wochenendform vom 2. bis 4. Juli 2027 in Haus Klara in Kloster Oberzell statt.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert