Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

In den letzten Tagen machte die Nachricht Schlagzeilen, dass die Bundesregierung mit Planungen für die Wiedereinführung eines neuen Zivildienstes begonnen hat.
Dies ließ mich an meinen eigenen Zivildienst Mitte der 80er Jahre zurückdenken. Ich glaube nicht, dass sich meine Erfahrungen einfach so auf heute übertragen lassen. Zu unterschiedlich sind wirtschaftliche und soziale Situationen heute und vor 40 Jahren. Dennoch fand ich die Erinnerung für mich erhellend.
Zunächst: Für mich war es nie eine Frage, dass ich den Kriegsdienst verweigere und damit auch den Wehrdienst. Ich habe damals kritisch auf die Aufrüstungsspirale geschaut und ich tue dies auch heute, wenn es heißt, unser Land müsse wieder „kriegstüchtig“ werden. Nein, ich meine, wir müssen nach wie vor „friedenstüchtig“ werden.
Ich habe 1983 verweigert, als gerade die mündliche Gewissensprüfung abgeschafft war und dafür der Zivildienst automatisch verlängert wurde. Von Herbst 1984 bis Frühjahr 1986 habe ich 20 Monate als „Zivi“ in einem Kinderheim gearbeitet. In dieser Zeit gab es wohl den längsten Zivildienst in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Es war für mich eine gute Zeit und eine Hilfe für meine Berufs- und Berufungsfindung. Für mich war es leicht nachvollziehbar, dass ich einem Staat, der mir zum einen viel Freiheit gewährt, zum anderen viel Sicherheit garantiert, etwas „zurückgebe“. Es war für mich leicht nachvollziehbar, dass im Rahmen anderer ehrenamtlicher oder schlecht bezahlter Tätigkeiten, auch der Zivildienst einen guten Platz hat.
Ich hatte damals keine Sorge, dass ich das, was ich in dieser Zeit verliere, wieder aufholen werde. Heute gibt es diese Sicherheit einer gelingenden beruflichen Laufbahn wohl nicht mehr so leicht. Dennoch leben unser Land und unsere Welt davon, dass Menschen etwas von ihrer Zeit, ihrem Engagement, ihrer Kraft, ihrer Kreativität der Gesellschaft zur Verfügung stellen.
Für den Fall, dass es tatsächlich demnächst einen neuen Zivildienst geben sollte, müssen viele Dinge bedacht werden. Aber als Alternative zu einer möglichen Wehrpflicht ist er notwendig. Ich habe damals weit mehr gewonnen als verloren.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
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