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Sterben und Tod gehören zu den Themen, über die wir meist erst sprechen, wenn sie uns im persönlichen Umfeld einholen. Dabei begleitet uns die eigene Endlichkeit von Beginn unseres Lebens an. Martin Heidegger hat diese Realität in die berühmte Formel gefasst, das menschliche Dasein sei ein »Sein zum Tode«. Was zunächst düster klingt, eröffnet eine überraschende Perspektive: Gerade weil unser Leben endlich ist, gewinnt jeder Tag an Gewicht, jede Entscheidung an Bedeutung, hat jede Begegnung ihren unverwechselbaren Wert.
Als Kaplan in Euskirchen durfte ich über Jahre hinweg Woche für Woche Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Manche Freunde konnten kaum verstehen, dass ich Beerdigungen gerne gehalten habe. Und doch war es so. Kaum ein anderer seelsorglicher Dienst hat mich so erfüllt. Mitten in Trauer und Abschied geschah etwas zutiefst Menschliches: Erinnerungen wurden geteilt, Dankbarkeit ausgesprochen, Hoffnung neu gewagt. Der Tod zeigte sich als Ernstfall des Lebens – und zugleich als Ort, an dem das Wesentliche aufleuchtet.
Franz von Assisi geht noch einen Schritt weiter. Wer das Leben als Geschenk empfängt, kann auch seine Endlichkeit annehmen. Deshalb nennt er im Sonnengesang den Tod »sora morte corporale«, Schwester leiblicher Tod. Er dämonisiert den Tod nicht, sondern nimmt ihn als Teil der Schöpfung ernst. Wer sich allen Geschöpfen geschwisterlich verbunden weiß, braucht auch dem Tod nicht mit Angst zu begegnen.
In diesem Jahr feiern wir den 800. Jahrestag des Transitus des heiligen Franziskus – seines Hinübergangs in das Leben bei Gott. Bis heute prägt die Hoffnung auf die Auferstehung den christlichen Umgang mit Sterben und Tod. Nicht zufällig ist in vielen Todesanzeigen vom »Hinübergehen« die Rede. Dahinter steht die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Gerade darin zeigt sich christliche Lebenskunst: Wer den Tod nicht aus seinem Leben verdrängt, lebt bewusster und hofft tiefer.
Themen
- Das kleine Assisi im Rheingau – Abschied von Marienthal
- Schwester Tod
- Herr, sei gelobt für unsere Schwester Tod – Wie Franziskus Schwester Tod begrüßt
- Am Ziel die Pforte des Lebens
- »Heute sind Tod und Trauer hoch individualisiert«
- Bestattungskultur im Wandel – Friedhöfe als Spiegel der Zeit
- Sterben lernen
- Geistlicher Wegbegleiter – Frauen in der Bibel
- Kloster Vossenack – Abschied der Franziskaner
- Das Ende der Zwillinge – Erinnerungen zum 25. Jahrestag des 11. September
- Portiunkula – Ein Ort für die »Ewigkeit«
- Franciscans International (FI) – Was stirbt, wenn ein Erbe nicht weitergegeben wird
- Franziskanische Lebensgeschichten – Fer van der Reijken, Singen gegen den »Blue Monday«
- Die Zumutungen des Lebens annehmen – Interview mit dem Künstler Uli Viereck
- Kursangebote
- Bruder Rangel kocht Kürbis-Kichererbsen-Nudelschale
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