Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Was ist der Mensch wert? Eine Frage, die mich umtreibt: In einer zunehmend raueren Gesellschaft, in der Menschen Opfer werden von Gewalt. In einem Miteinander, das mehr und mehr Beschimpfung und Verachtung kennt. Und in einem Weltgeschehen, in dem Menschen so schnell bereit sind, andere abzuwerten, weil sie anders denken, anders glauben, anders leben. Wer nicht ins eigene Weltbild passt, wird zum Gegner. Und im schlimmsten Fall zum Feind.
Das geschieht nicht nur in den Krisengebieten der Welt. Menschen werden zu Zahlen in Statistiken, zu Bildern in Nachrichtensendungen, zu Kommentierten in sozialen Netzwerken. Andersdenkende werden beschimpft, Geflüchtete pauschal verurteilt, Völker auf wenige Schlagworte reduziert. Entwertung beginnt oft leise – im Wegschauen, im schnellen Urteil, im fehlenden Zuhören. Und am Ende steht die gefährliche Überzeugung, dass das eigene Leben mehr zählt als das des anderen.
Ostern stellt dieser Logik eine radikale Frage entgegen: Was wäre, wenn jeder Mensch unendlich wertvoll ist? Der christliche Gedanke von Ostern erzählt von einem Gott, der den Menschen nicht aufgibt – selbst dann nicht, wenn er scheitert, schuldig wird oder anderen zum Feind wird. Kein Mensch kann dann mehr zum bloßen Mittel oder gar zu einer Zahl werden.
Hier liegt die eigentliche Pointe von Ostern: Der Wert des Menschen wird nicht von Mehrheiten beschlossen, nicht von Grenzen festgelegt und nicht von Waffen verteidigt. Er ist gegeben. Wer das ernst nimmt, kann Kriege nicht als Lösung betrachten, sondern nur noch als Niederlage der Menschheit.
Allen ein gesegnetes und hoffnungsvolles Osterfest!
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
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