16.10.2026 Bruder Helmut Schlegel

Sie verdienen Respekt

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Helmut Schlegel

Eine Politikerin tritt von jetzt auf gleich von ihren Ämtern zurück. Sie hat einen lieben Menschen verloren und braucht Zeit zum Trauern. Sie begründet ihren Rücktritt aber auch damit, dass sie den Druck und die Attacken ihrer politischen Gegner nicht mehr aushält.

Keine Frage: Politik ist keine Wohltätigkeitsparty. Politik ist ein hartes Geschäft, da muss gekämpft werden und da fallen Späne. Aber auch da gilt es nicht nur auf die Leistung eines Menschen sehen, sondern in sein Gesicht. Es geht um Menschen mit persönlichen Geschichten und Schicksalen. Sie mögen von der anderen Partei oder Fraktion oder Farbe sein. Aber sie verdienen Respekt.

Respekt kommt von dem lateinischen Wort „respicere“. Das bedeutet frei übersetzt: sich umdrehen und noch einmal hinsehen. Also nicht auf den ersten Blick ein Urteil fällen oder achselzuckend weitergehen. Auch nicht nur auf die Leistung eines Menschen sehen, sondern in sein Gesicht. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben diesem den entscheidenden Satz vorangestellt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Der oben geschilderte Vorfall ist kein Einzelfall, aber er müsste uns erinnern: Respekt ist keine mildtätige Zugabe, die wir nach Belieben verteilen können oder auch nicht. Respekt schulden wir einander. Unsere Bemühungen um Frieden und Wohlstand, um gesellschaftliche Reformen und um globale Gerechtigkeit werden erfolglos bleiben, wenn wir nicht damit beginnen, einander das zu geben, was alle verdienen: Respekt.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.


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