Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

München – Reiter – passt… nicht! – das war das Ergebnis der Wahl des Oberbürgermeisters in München, und es waren nicht die Bezüge beim FC Bayern München, die Dieter Reiter zu Fall brachten. Es war die Ausstrahlung, Menschen nicht mehr ernst nehmen zu müssen.
Arroganz, sie begegnet bei Menschen, sie begegnet uns in Parteien und Institutionen, leider auch in der Kirche. Der Arroganz der Macht geht es um den Selbsterhalt, nicht mehr um die Erfüllung eines Auftrags oder einer Vision und nicht mehr um das Wohl und die Zukunft der Menschen und der Welt.
Was Machterhalt anrichtet, erleben die Menschen in der Ukraine wie auch im Nahen Osten. Das ist der Gipfel an Arroganz, anderen vorzuwerfen, es sei feige und illoyal, wenn völkerrechtswidriges Verhalten nicht unterstützt wird. Gott sei Dank gibt es Widerstände.
Gott sei Dank gibt es Menschen, die Arroganz mit Ablehnung honorieren. Allerspätestens dann, wenn Menschen mir den Rücken zuwenden, ist zu prüfen, ob es mir noch um die Menschen geht oder ob ich über den Menschen schwebe. Will ich für Menschen Bedeutung haben, dann geht das nur mit den Menschen und für die Menschen. Dazu muss ich den Menschen nicht nach dem Mund reden, aber ich muss sie hören, um dann in ihrer Sprache über das zu sprechen, was heute notwendig ist, und das, ohne den Blick in die Zukunft zu vergessen.
Für unsere Kirche heißt das, die Fragen der Menschen zu hören, ganz im Sinne Jesu, der Heil schafft, wenn Menschen darum bitten. Dabei darf ich gerne Ideale leben, Ideologien aber muss ich fallenlassen. Volker Wissing betont in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, wie klar für ihn die Prioritäten am Ende der Ampelkoalition waren: zuerst das Amt und damit der Dienst an der Sache, dann die Partei. Für ihn bedeutete diese Klarheit das schmerzliche Ende seiner Parteimitgliedschaft, da er die Ideologie seiner Partei nicht mehr mittragen konnte.
Überzeugungen sind wichtig. Sind sie mit der Wirklichkeit der Menschen verbunden, kann ich sie auch entsprechend vertreten. Dann kann es gelingen, Menschen mitzunehmen, auch wenn notwendige Schritte schmerzhaft sind.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
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