Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Maria Magdalena „ … meinen Herrn weggenommen“ (Joh 20,2)
Auf die Erfahrung „man hat mir etwas weggenommen“ sind sehr unterschiedliche Reaktionen möglich. Oft bin ich sauer, wütend. Ich phantasiere, wer es sein könnte, der sich an dem, was mir gehört, vergriffen hat. Ich suche den Täter, will das Gestohlene zurückhaben.
Eine besondere Reaktion zeigt sich im „narzisstischen Zeitalter“. Der Psychoanalytiker H.E. Richter versteht die Reaktion so: Ein Narzisst hält den Verlust nicht aus, weil er an der „Krankheit, nicht leiden zu können“ leidet. Weil er nicht gelernt hat, mit Verlusten umzugehen, wie es der Soziologe A. Reckwitz ausdrückt. Um nicht in der Ohnmacht zu versinken, folgen mögliche Reaktion wie Aggression und Wut: Der Staat, die Elite da oben, die Regierung, die Migranten, die Asylanten oder wer auch immer haben uns etwas weggenommen, was uns gehört. Wir werden nicht gehört. Das ist nicht zum Aushalten. Die Folge davon: Wut (Wutbürger), Gewalt (Krieg). Es ist die gefühlt tiefsitzende Kränkung, die einen inneren Kern berührt, den Stolz, meine Besonderheit, meine Großartigkeit. Ich bin nicht beachtet, sondern gefühlt verachtet. Also verachte ich, hasse ich.
Wie anders Maria Magdalena: „Man hat ihn (Jesu Leichnam) weggenommen“. Sie reagiert mit tiefer Trauer, bleibt aber im Verlust, Vermissen, Schrecken nicht stecken, dreht sich um und geht nur mit Klang ihres Namens im Ohr – mehr hat sie nicht in Händen – in die Zukunft. Dort liegt das Leben, nicht im Zurück! So auch im Gegenprogramm in den Seligpreisungen, in der gesamten Bergpredigt (Mt 5–7; 5,1–11)!
Der Blick zurück, der Blick nach vorn und der Blick nach innen.
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