11.09.2026 Bruder Thomas Abrell

Die German Angst im Sieb des Sokrates

| Jetzt | Der Kommentar der Woche

Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.


Bruder Thomas Abrell

„German Angst“ so nennt man die inzwischen die depressive Stimmung im Land, die einen Teil unserer Bevölkerung betrifft und häufig der Regierung Untätigkeit vorwirft. Genährt wird diese Stimmung von einer Fülle von negativen Nachrichten, die positive Schlagzeilen untergehen lassen. Hinzu kommt, so scheint es, die Lust am Schlechtreden, das kein gutes Haar an Vorgängen und Personen lässt, noch bevor klar ist, worum es wirklich geht. Diese Einseitigkeit stoppt manchen wichtigen Prozess, noch bevor er zu Ende gedacht ist. Und dann wird die negative Stimmung durch gesellschaftliche Gruppen bewusst geschürt. Kein Wunder, wenn sich negative Stimmung breit macht.

In der letzten Zeit erinnere ich mich immer wieder an die drei Siebe des Sokrates. Meines Erachtens wären sie eine wichtige Orientierung für jeden, der für sich Seriosität in Anspruch nimmt. Meldungen und Nachrichten sollten mit folgenden Filtern geprüft werden:

  1. Wahrheit – habe ich geprüft, ob die Nachricht wirklich wahr ist, oder handelt es sich um eine Halbwahrheit oder gar um eine bewusste Falschmeldung? Der Schritt von der Wahrheit zur Teilwahrheit ist manchmal nur eine Frage der Formulierung.
  2. Güte – ist die Nachricht etwas Gutes? Sensationslust sorgt für viele Meldungen von Schlechtem. Und weitere Meldungen haben sogar das Ziel zu schaden. Dann wird Gutes bewusst außen vor gelassen, um sich auf den einen Fehler zu konzentrieren. Die 100 richtigen Entscheidungen übersieht man gerne.
  3. Nutzen – ist die Nachricht nützlich? Hilft sie der Sache oder hilft sie mir? Sehr aktuell ist diese Frage gerade in der Parteienlandschaft und nicht immer geht es dabei um das Wohl der Gesellschaft.

Mir kommt es so vor, würden diese drei Siebe konsequent angewandt, wäre viel Platz freigeworden und es ließe sich viel Papier und Druckerschwärze sparen. Der freie Platz ließe sich aber auch für positive, erbauliche Meldungen nützen. Es wäre auch Platz, unangenehme Nachrichten entsprechend ausführlich zu erklären, damit sie verstanden werden und nicht mehr durch Populismus überdeckt werden. Vielleicht würden die drei Siebe helfen, die negative Stimmung zu mindern und Zuversicht zu fördern, weg von „bringt ja eh nichts“ hin zu „da geht was!“ und Menschen zu ermutigen wieder mehr Verantwortung zu übernehmen für unsere Gesellschaft und unser Land.


Der Blick zurück, der Blick nach vorn, und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Jeden Freitag auf franziskaner.de


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