Oft ist das, was uns beschäftigt und uns besorgt, auch die Quelle für das, was jetzt dran ist. Mit dem Blick auf die Welt aus ihrer Perspektive kommentieren Franziskaner jeden Freitag, was sie wahrnehmen.

Wir leben in einer Welt, die voller Regeln und Vorschriften ist. Spielräume werden eingegrenzt. Für Spontanität bleibt oft kein oder wenig Platz.
Ein Beispiel: Eine mir bekannte Siebzehnjährige macht gerade ihren Führerschein. Sie bittet ihren Vater, am Sonntagmorgen auf einem leeren Parkplatz eines Kaufhauses noch einmal das Einparken zu üben. Das machen sie. Kein Auto auf dem Parkplatz. Kein Mensch zu sehen. Die Tochter übt. Zufällig kommen zwei Polizistinnen auf Streife vorbei. Halten an und bestrafen die beiden nach Gesetz. Den Vater mit einer Geldbuße, die Tochter mit einer Auflage für den anstehenden Führerschein. Die Siebzehnjährige hat keinen Menschen behindert, kein anderes Auto beschädigt, keinen in der Sonntagsruhe gestört. Man sollte meinen: Die Polizistinnen hätte ein Auge zugedrückt und die beiden lächelnd ermahnt. Mit etwas Kulanz hätte sie die Situation lösen können. Aber nein – das Gesetz erlaubt ihnen keinen Spielraum. Obwohl es naheliegt: Spontanität, Einfühlungsvermögen gehen oft nicht. Bürokratie engt Spielräume ein. Regeln sind dann wichtiger als Empathie!
Ich mache einen großen Sprung. Am 3./4. Oktober begehen wir den 800. Todestag des heiligen Franziskus von Assisi. Er ruft damals schon die Brüder, die predigen, zur Weite auf: „Was sind nämlich die Diener Gottes, wenn nicht seine Spielleute, welche die Herzen der Menschen zu geistlicher Freude erheben und bewegen müssen?“
Spielleute Gottes sind sie, wie Musikanten auf der Straße. Sie lassen die Vorübergehenden im Zwang des Vorankommens für einen Augenblick innehalten. So sollen die Prediger sein: den Blick der Passanten dieser Welt auf eine andere Wirklichkeit lenken. Leichten Sinnes (nicht leichtsinnig) mit der Melodie des Evangeliums die Herzen der Menschen zur Freude bewegen. Dem Evangelium gegen Gesetzlichkeit Raum verschaffen.
Der Blick zurück, der Blick nach vorn und der Blick nach innen.
Franziskaner kommentieren, was wichtig ist.
Immer freitags auf franziskaner.de.